Do 21.02.2008 11:10

Peter Fleissner an Georg Quaas

 

Wunderbar, danke für Ihr paper. Ich werde es umgehend studieren. Ich glaube, Ihr Ansatz ist sehr ähnlich wie meiner, auch wenn Sie andere Bereiche der VGR als ich als erstes analysieren. Aber analysieren muss man schließlich und endlich doch alle, die in der Empirie vorkommen.

 

Liebe Grüße

 

Dr Peter Fleissner

 

 

Di 26.02.2008 12:58

Peter Fleissner an Georg Quaas

Lieber Georg Quaas,

 

Nach Durchsicht Ihres Papiers zu Wertrechnung und Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung, das mit meiner Intention nach einer Interpretation der VGR im Lichte der Werttheorie übereinstimmt, ein kurzer Kommentar: Ich sehe das Material Product System (MPS) der implodierten Sozialistischen Ländern als eine der (stofflich interpretierten) Wertrechung strukturell sehr nahe liegende Darstellung der ökonomischen Aktivitäten einer Volkswirtschaft, während das SNA-System grundsätzlich anders vorgeht. Versucht das MPS-System die Güter bzw. Leistungen einer Wirtschaft nur dann positiv zu zählen, wenn sie dem Mehrprodukt prinzipiell etwas hinzufügen können, geht das SNA-System bei den Brutto-Produktionswerten von bepreisten Gebrauchswerten aus, die mehrheitlich über den Markt gehandelt werden (was vor allem zu einem hohen Anteil von Dienstleistungen am BIP führt). Eine Zusammenführung der unterschiedlichen Sichtweisen lässt sich erreichen, wenn man die Vorleistungsstrukturen des MPS-Systems um die Vorleistungen der Dienstleistungssektoren erweitert, die zunächst zu Reproduktionskosten bewertet werden (die also keine Profite machen, da nur dann das ausschließlich in den stofflichen Sektoren erzeugte Mehrprodukt aus dem in den stofflichen Sektoren anfallenden Mehrwert in voller Höhe angeeignet werden kann). Lässt man Profite in den Dienstleistungssektoren zu, kann in den Sektoren der stofflichen Produktion nur weniger an Mehrprodukt angeeignet werden (also weniger investiert werden) als in Summe an Investitionsgütern erzeugt wurde, was die Austauschrelationen der „reinen“ Werttheorie verfälschen würde. Die Werte, die in den Dienstleistungssektoren incl. Staat verbraucht werden (also das c und das v der Dienstleistungssektoren), wenn sie Dienstleistungen (als reine Gebrauchswerte gesehen) erzeugen, stammen ausschließlich aus der stofflichen Produktion. Sie stellen daher gegenüber dem MPS System Doppeltzählungen dar. Unter der Bedingung der Ist-Preise oder auch von Produktionspreisen, die den Dienstleistungssektoren Profite und damit Investitionen zu finanzieren ermöglichen, entspricht die Summe der Vorleistungen und des Konsums der Sektoren der Stoffproduktion vermehrt um die Summe der Profite ALLER Sektoren der Werterzeugung des MPS Systems, allerdings zu anderen Preisen bewertet – was als eine praktische Lösung des Transformationsproblems angesehen werden könnte (wobei allerdings die verlangte Identität von Mehrwertmasse = Profitmasse verletzt wird, nur die Summe aller Werte bleibt der Summe aller Preise gleich, und natürlich das physische Mehrprodukt in Summe, das nun anders verteilt wird).

 

Naja…

 

Beste Grüße

 

Dr Peter Fleissner