Von: Georg Quaas
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Gesendet: Dienstag, 26. Februar 2008 16:34
An: Peter Fleissner
Betreff: Re: Werttheorie
Hallo,
also fangen wir
mal an zu diskutieren
Lieber Peter
Fleissner,
ich erlaube mir
mal, meine Anmerkungen in Ihren Text hineinzuschreiben. Die Numerierung dient
dazu, gegebenenfalls Bezug zu nehmen.
(1)
„Nach Durchsicht Ihres Papiers zur
„Wertrechnung“, das mit meiner Intention nach einer Interpretation der VGR im
Lichte der Werttheorie übereinstimmt, ein kurzer Kommentar: Ich sehe das
Material Product System (MPS) der implodierten Sozialistischen Ländern als eine
der (stofflich interpretierten) Wertrechung strukturell sehr nahe liegende
Darstellung der ökonomischen Aktivitäten einer Volkswirtschaft, während das
SNA-System grundsätzlich anders vorgeht.“
Zu (1) Das mag
theoretisch richtig sein. Praktisch kamen im MPS aber vor allem Plangrößen vor,
an die sich die Berichte anpassen mußten, um „Planerfüllung“ vorzugaukeln.
Insofern ist zweifelhaft, ob es jemals ein
System gegeben hat, das die gebrauchswertmäßig-stoffliche Struktur
einigermaßen adäquat abgebildet hat.
(2)
„Versucht das MPS-System die Güter bzw.
Leistungen einer Wirtschaft nur dann positiv zu zählen, wenn sie dem
Mehrprodukt prinzipiell etwas hinzufügen können, geht das SNA-System bei den
Brutto-Produktionswerten von bepreisten Gebrauchswerten aus, die mehrheitlich
über den Markt gehandelt werden (was vor allem zu einem hohen Anteil von
Dienstleistungen am BIP führt).“
Zu (2), Anm.
(1): Im MPS ist m.E. jedes Gut und jede Dienstleistung zu zählen, egal, ob es
oder sie einen Beitrag zum Mehrprodukt leistet oder nicht.
Zu (2), Anm.
(2): „Mehrheitlich“ ist richtig, ein recht großer Teil wird aber vom
Staatskonsum eingenommen, das nicht über den Markt gehandelt wird. Insofern ist
die Aussage, dass das Handeln über den Markt zu einem hohen Anteil der
Dienstleistungen führt, problematisch.
M.E. ist diese
Frage auch ganz ohne Relevanz: Was auch immer einen hohen Anteil der
Dienstleistungen am BIP bewirkt – wir müssen sie de facto auch in der
Wertrechnung berücksichtigen.
(3)
„Eine Zusammenführung der
unterschiedlichen Sichtweisen lässt sich erreichen, wenn man die
Vorleistungsstrukturen des MPS-Systems um die Vorleistungen der
Dienstleistungssektoren erweitert, die zunächst zu Reproduktionskosten bewertet
werden (die also keine Profite machen, da nur dann das ausschließlich in den
stofflichen Sektoren erzeugte Mehrprodukt aus dem in den stofflichen Sektoren
anfallenden Mehrwert in voller Höhe angeeignet werden kann).“
Zu (3): Ich
glaube nicht, dass man unter diesen Bedingungen das Mehrprodukt noch rein
stofflich definieren kann. Wenn das Produkt aus Waren und Dienstleistungen
besteht, dann auch das Mehrprodukt. Aber mal Ihre Sichtweise unterstellt, fällt
es schwer, Ihre Behauptung nachzuvollziehen. Angenommen, es besteht eine
Diskrepanz zwischen dem stofflichen Mehrprodukt und der preislichen Nachfrage
nach Mehrprodukt, dann wird das der Preismechanismus ausgleichen.
(4)
„Lässt man Profite in den
Dienstleistungssektoren zu, kann in den Sektoren der stofflichen Produktion nur
weniger an Mehrprodukt angeeignet werden (also weniger investiert werden) als
in Summe an Investitionsgütern erzeugt wurde, was die Austauschrelationen der
„reinen“ Werttheorie verfälschen würde.“
Zu (4): Die
reine Werttheorie bestimmt sowieso nicht die Austauschverhältnisse. Marx hat
die Identität von Preis- und Wertstruktur doch nur idealiter unterstellt, um zu
zeigen, dass man Ausbeutung auch ohne Verzerrungen der Preise erklären kann.
(5)
„Die Werte, die in den
Dienstleistungssektoren incl. Staat verbraucht werden (also das c und das v der
Dienstleistungssektoren), wenn sie Dienstleistungen (als reine Gebrauchswerte
gesehen) erzeugen, stammen ausschließlich aus der stofflichen Produktion. Sie
stellen daher gegenüber dem MPS System Doppeltzählungen dar.“
Zu (5),
Anmerkung (1): Sachlich nicht ganz richtig: Im Dienstleistungssektor können
auch Dienstleistungen verbraucht werden: Zum Beispiel der Fensterputzer, der
die Scheiben des Barbiers (Friseurs) reinigt.
Zu (5), Anm.
(2):
Ich verstehe
nicht, wie Sie darauf kommen. Dienstleistungen gehören grundsätzlich zu den
Vorleistungen, und diese werden im Al
(6)
„Unter der Bedingung der Ist-Preise oder
auch von Produktionspreisen, die den Dienstleistungssektoren Profite und damit
Investitionen zu finanzieren ermöglichen, entspricht die Summe der
Vorleistungen und des Konsums der Sektoren der Stoffproduktion vermehrt um die
Summe der Profite ALLER Sektoren der Werterzeugung des MPS Systems, allerdings
zu anderen Preisen bewertet – was als eine praktische Lösung des
Transformationsproblems angesehen werden könnte (wobei allerdings die verlangte
Identität von Mehrwertmasse = Profitmasse verletzt wird, nur die Summe aller
Werte bleibt der Summe aller Preise gleich, und natürlich das physische
Mehrprodukt in Summe, das nun anders verteilt wird).“
Zu (6): Also,
das dürfte doch klar sein, dass man im al
Ebenfalls
Beste Grüße
Georg Quaas