Sa 08.03.2008 18:36
Peter Fleissner an Georg Quaas
Lieber Herr Quaas,
danke für Ihre Mühe, die Sie sich mit
mir machen. Anbei meine Antworten auf Ihre Bemerkungen in Ihren Bemerkungen zu
meinen Bemerkungen.
Ich bin auf Ihre Reaktion sehr
neugierig.
Lieber
Peter Fleissner,
ich
erlaube mir mal, meine Anmerkungen in Ihren Text hineinzuschreiben. Die
Numerierung dient dazu, gegebenenfalls Bezug zu nehmen.
(1)
„Nach Durchsicht Ihres Papiers zur
„Wertrechnung“, das mit meiner Intention nach einer Interpretation der VGR im
Lichte der Werttheorie übereinstimmt, ein kurzer Kommentar: Ich sehe das
Material Product System (MPS) der implodierten Sozialistischen Ländern als eine
der (stofflich interpretierten) Wertrechung strukturell sehr nahe liegende
Darstellung der ökonomischen Aktivitäten einer Volkswirtschaft, während das
SNA-System grundsätzlich anders vorgeht.“
Zu
(1) Das mag theoretisch richtig sein. Praktisch kamen im MPS aber vor allem
Plangrößen vor, an die sich die Berichte anpassen mußten, um „Planerfüllung“
vorzugaukeln. Insofern ist zweifelhaft, ob es jemals ein System gegeben hat, das die
gebrauchswertmäßig-stoffliche Struktur einigermaßen adäquat abgebildet hat.
(2)
„Versucht das MPS-System die Güter bzw.
Leistungen einer Wirtschaft nur dann positiv zu zählen, wenn sie dem
Mehrprodukt prinzipiell etwas hinzufügen können, geht das SNA-System bei den
Brutto-Produktionswerten von bepreisten Gebrauchswerten aus, die mehrheitlich
über den Markt gehandelt werden (was vor allem zu einem hohen Anteil von
Dienstleistungen am BIP führt).“
Empirische Ergänzung zu : I-O Tafel
Österreich 2003: Verwendungsseite, Herstellungspreise.
Gesamte Endnachfrage (stark gerundet):
319 Mrd EUR = C + G + I + Ex
Stofflicher Konsum 62 Mrd
Dienstleistungskonsum 67 Mrd
Öffentlicher Konsum: 41 Mrd
BruttoInvest (öff und privat) 49 Mrd
(davon 44 Mrd aus stofflichen Bereichen, und nur ein Zehntel, 5 Mrd EUR, aus
den Dienstleistungsbereichen, meist „immaterielle Anlagegüter“)
Exporte 95 Mrd
Importe 93 Mrd
Zu
(2), Anm. (1): Im MPS ist m.E. jedes Gut und jede Dienstleistung zu zählen,
egal, ob es oder sie einen Beitrag zum Mehrprodukt leistet oder nicht.
Wie auch immer MPS rechnete: Bitte
können Sie mir Beispiele für den Beitrag nennen, den eine Dienstleistung zum
Mehrprodukt leistet? M.E. ist eine Dienstleistung so definiert, dass sie im
Augenblick der Produktion konsumiert wird, was bedeutet, dass sie nicht
Bestandteil des Mehrprodukts sein kann.
Zu
(2), Anm. (2): „Mehrheitlich“ ist richtig, ein recht großer Teil wird aber vom
Staatskonsum eingenommen, das nicht über den Markt gehandelt wird. Insofern ist
die Aussage, dass das Handeln über den Markt zu einem hohen Anteil der
Dienstleistungen führt, problematisch.
M.E.
ist diese Frage auch ganz ohne Relevanz: Was auch immer einen hohen Anteil der
Dienstleistungen am BIP bewirkt – wir müssen sie de facto auch in der
Wertrechnung berücksichtigen.
Hier stimme ich vor allem dem letzten
Satz zu, aber wir sollten den Übergang aus den früheren klassischen Formen der
Wertrechnung explizit machen und bewusst vollziehen. Eine wichtige Konsequenz,
die sich nämlich (und auch mit der Transformation der Werte in Preise) ergibt,
ist, dass die Arbeitszeit, die in den stofflichen Bereichen direkt und indirekt
geleistet wurde und einen bestimmten Wert darstellt, nach der Transformation
nicht mehr in der gleichen Höhe andere Gebrauchswerte im Ausmaß der geleisteten
Arbeitszeit am Markt eintauschen kann, d.h. das Prinzip des gerechten Tausches
ist verletzt.
(3)
„Eine Zusammenführung der unterschiedlichen
Sichtweisen lässt sich erreichen, wenn man die Vorleistungsstrukturen des
MPS-Systems um die Vorleistungen der Dienstleistungssektoren erweitert, die
zunächst zu Reproduktionskosten bewertet werden (die also keine Profite machen,
da nur dann das ausschließlich in den stofflichen Sektoren erzeugte Mehrprodukt
aus dem in den stofflichen Sektoren anfallenden Mehrwert in voller Höhe
angeeignet werden kann).“
Zu
(3): Ich glaube nicht, dass man unter diesen Bedingungen das Mehrprodukt noch
rein stofflich definieren kann. Wenn das Produkt aus Waren und Dienstleistungen
bestehet, dann auch das Mehrprodukt. Aber mal Ihre Sichtweise unterstellt,
fällt es schwer, Ihre Behauptung nachzuvollziehen. Angenommen, es besteht eine
Diskrepanz zwischen dem stofflichen Mehrprodukt und der preislichen Nachfrage
nach Mehrprodukt, dann wird das der Preismechanismus ausgleichen.
Ich behandle hier nur
Gleichgewichtspreise. Angebots- und Nachfrageüberlegungen habe ich in einem
paper zu einem „konkreteren“ Transformationsproblem angestellt. Ich hänge es
an.
(4)
„Lässt man Profite in den
Dienstleistungssektoren zu, kann in den Sektoren der stofflichen Produktion nur
weniger an Mehrprodukt angeeignet werden (also weniger investiert werden) als
in Summe an Investitionsgütern erzeugt wurde, was die Austauschrelationen der
„reinen“ Werttheorie verfälschen würde.“
Zu
(4): Die reine Werttheorie bestimmt sowieso nicht die Austauschverhältnisse.
Marx hat die Identität von Preis- und Wertstruktur doch nur idealiter
unterstellt, um zu zeigen, dass man Ausbeutung auch ohne Verzerrungen des
Preise erklären kann.
Siehe ad 2
(5)
„Die Werte, die in den
Dienstleistungssektoren incl. Staat verbraucht werden (also das c und das v der
Dienstleistungssektoren), wenn sie Dienstleistungen (als reine Gebrauchswerte
gesehen) erzeugen, stammen ausschließlich aus der stofflichen Produktion. Sie
stellen daher gegenüber dem MPS System Doppeltzählungen dar.“
Zu
(5), Anmerkung (1): Sachlich nicht ganz richtig: Im Dienstleistungssektor
können auch Dienstleistungen verbraucht werden: Zum Beispiel der Fensterputzer,
der die Scheiben des Barbiers (Friseurs) reinigt.
Die letzte Anmerkung, dass Dienstleister
auch Dienstleistungen verbrauchen und kaufen, ist bei meinen Überlegungen
berücksichtigt (Die diagonalen partitionierten Matrizen sind dann ungleich
Null)
Zu
(5), Anm. (2):
Ich
verstehe nicht, wie Sie darauf kommen. Dienstleistungen gehören grundsätzlich
zu den Vorleistungen, und diese werden im al
Ich nähere mich der Wertrechnung unter
zwei Annäherungsweisen. Die erste geht von Band 1 des Kapital aus und bezieht
nur stoffliche Arbeit ein. Dann sind alle Bereiche außerhalb (also alle
Dienstleistungsbereiche) von stofflicher Arbeit zu alimentieren. Die Werte in
der Input-Output Rechnung in den Dienstleistungen sind daher ein zweites Mal
auftretende Bestandteile des Produktionsergebnisses der stofflichen Sektoren
(entweder zunächst als Bestandteil des Mehrwerts gesehen oder als Bestandteil
der Produktionskosten, die ja immer aus der Wertmasse bezahlt werden müssen.
Die zweite geht wie Sie davon aus, dass
heute die Dienstleistungen nicht mehr zu vernachlässigen sind, obwohl sie
nichts zum Mehrprodukt beitragen. Dann wäre eine theoretische Möglichkeit, das
gesamte Produkt als Ergebnis der lebendigen Arbeit des Gesamtarbeiters plus die
Arbeitszeit, die in den Vorprodukten (incl. der Übertragung von Teilen des
fixen Kapitals auf das neue Produkt) steckt zu betrachten. Dann ist das
Mehrprodukt (das nach wie vor nur stofflich ist) als Ergebnis der Kombination
von stofflichen und dienstleistenden Arbeiten anzusehen. Die Ausbeutung des
Gesamtarbeiters wird dann auf der betrieblichen Ebene sozusagen individualisiert,
das Ausmaß der Ausbeutung hängt dann nicht mehr von den einzelnen Betrieben ab,
sondern, immer von der Aktivität und Produktivität aller Glieder des
Gesamtarbeiters. Die Sicht der Produktionspreise entspricht der zweiten
Annäherungsform.
(6)
„Unter der Bedingung der Ist-Preise oder
auch von Produktionspreisen, die den Dienstleistungssektoren Profite und damit
Investitionen zu finanzieren ermöglichen, entspricht die Summe der
Vorleistungen und des Konsums der Sektoren der Stoffproduktion vermehrt um die
Summe der Profite ALLER Sektoren der Werterzeugung des MPS Systems, allerdings
zu anderen Preisen bewertet – was als eine praktische Lösung des
Transformationsproblems angesehen werden könnte (wobei allerdings die verlangte
Identität von Mehrwertmasse = Profitmasse verletzt wird, nur die Summe aller
Werte bleibt der Summe aller Preise gleich, und natürlich das physische
Mehrprodukt in Summe, das nun anders verteilt wird).“
Zu
(6): Also, das dürfte doch klar sein, dass man im al
Ich versuche zu zeigen, dass die
Arbeitswerte von Marx mit anderen (Gleichgewichts-) Preissystemen im
Leontief-System (das sich in der einfachsten Variante mathematisch als
Mengensystem Ax + y = x, x Outputmengenspaltenvektor, y Endnachfrage, und als
duales Stückpreis-System pA + w = p, w Wertschöpfungszeilenvektor pro Stück,
darstellen lässt) nicht nur verträglich, sondern in gewisser Weise
gleichberechtigt sind. Meine Annahme, dass Dienstleistungen nicht wertbildend
sind, ist mit einem Leontief-System zumindest konsistent und fällt zusammen mit
der Annahme, dass die Wertmasse des Mehrprodukts dann mit der gesamten
Profitmasse identisch ist (weil ja in den Dienstleistungssektoren kein
Mehrprodukt erzeugt werden kann). Bei einer Umverteilung des bepreisten
Mehrprodukts in einer nicht zu den Arbeitswerten der wertbildenden Sektoren
proportionalen Weise würden die Mehrarbeitszeiten in den wertbildenden Sektoren
im al
Ich gehe von einer technisch-sozial
konstanten Situation aus, gegeben durch die technischen und
Konsumkoeffizienten, in den quadratischen Matrizen A bzw. C im Leontiefschen
Input-Output Modell angeordnet, dann gelten die von Marx eher vernachlässigten
Mengengleichungen: A x + y = x (x Brutto-Produktionsmengen, y
Endnachfragemengen, beides Spaltenvektoren) und (A + C) x + s = x, s ist der
Spaltenvektor des Mehrprodukts. Auf der Preisseite gilt analog mit dem
Zeilenvektor der Stückpreise p: p A + v = p, mit v als
Wertschöpfungszeilenvektor pro Outputeinheit. Alle möglichen Preissysteme q
lassen sich durch unterschiedliche Aufteilung des Mehrproduktvektors s auf die
einzelnen Branchen bzw. Betriebe „erzeugen“, s ist dabei immer gleich groß,
aber nur unterschiedlich aufgeteilt in eine Matrix S, wobei S x = s und q S =p, (letzteres p ist ein Zeilenvektor der Profite pro Stück). Der Witz
dabei ist, dass die Preise q mit einer spezifischen Aufteilung des Mehrprodukts
s gekoppelt sind. Dieses aufgeteilte Mehrprodukt ist dann identisch mit den
Investitionen, die aus den dann anfallenden Profiten finanziert werden
können.
Wir haben also ein konstantes
Mehrprodukt s, aber je nach Situation unterschiedliche Preise q, die mit einer
unterschiedlichen Allokation von s als Investitionen verbunden sind. Die
Investitionen werden in einer Matrix S diag(x) als Spalten beschrieben, wobei
natürlich immer S x = s. Die ebenfalls von der Aufteilung abhängigen Profite
pro Outputeinheit p , die einer gesamte
Profitmasse von p x ergeben, können genau diese Investitionen bei
den Preisen q restlos kaufen.
Nun gebe ich Beispiele für verschiedene
(mit der gleichen sozio-technischen Situation verträglichen) Preissysteme:
1. Arbeitswertpreise: Marx’sche Werttheorie
bedeutet in diesem Schema, dass die Stückarbeitswerte w (immer bis auf einen
Skalierungsfaktor) aus w A + l = w errechnet werden können, mit l ( l soll „el“
wie lamda heißen, nicht „eins“) als direkter Zeilenvektor des Arbeitsaufwandes
pro Stück. w = l minv( E-A ), minv() steht für Inverse, E für die
Einheitsmatrix.
2. Produktionspreise: Produktionspreise
pp (Zeilenvektor) bedeuten in einem Schema, das der Einfachheit halber ohne
fixes Kapital auskommt, dass pp (A+C) (1+r) = pp, wobei (1+r) = 1/lamda ist,
mit lamda der Eigenvektor der Matrix (A+C) und pp der Links-Eigenvektor. (Das
ist identisch mit dem leider inkonsistenten Marxschen Schema der Transformation
von Werten in Produktionspreise, nur wiederholt auf es selbst angewendet, indem
die Outputpreise einer Periode als Inputpreise in der nächsten Periode
herangezogen werden, und ergibt die Lösung von Bortkiewicz aus 1905 oder so).
3. Ist-Preise: Könnten wir empirisch von
einer Input-Output Tafel unter Kenntnis aller einzelnen Produkte und Preise
ausgehen, würden wir eine spezielle S Matrix S_ist errechnen können, mit deren
Hilfe (natürlich immer unter den vereinfachenden Annahmen, dass nur die
Arbeiter konsumieren, und die Unternehmer den gesamten Profit investieren) die
Ist-Preise q_ist aus der Gleichung
q_ist (A+C+S_ist) = q_ist als Linkseigenvektor bestimmt werden könnten.
Soweit die komplette story der
Arbeitswertrechnung in einem Input-Output Systems, in dem ausschließlich Waren
produziert werden, die Bestandteil des Mehrprodukts sind. Bei Dienstleistungen,
die meiner Meinung nach nicht Bestandteil des Mehrprodukts sein können, da sie
im Augenblick der Produktion konsumiert werden, ist die Situation ein wenig
komplexer, aber nicht viel. Die S Matrix enthält in den Dienstleistungsbranchen
lauter Nullen (was empirisch anhand realer I-O Tabellen gut nachvollziehbar
ist), d.h. der Wert des Mehrprodukts im jeweiligen Preissystem kann sich nur
aus den Gütern in den Branchen zusammensetzen, die zum Mehrprodukt etwas
beitragen.
Daraus ist der Schluss zwingend, dass
die Profitmasse in einer Wirtschaft mit Dienstleistungen gleich dem Wert des
Mehrprodukts zu den jeweiligen Preisen sein muss. In einer Situation mit
Arbeitswertpreisen (Fall 1) wäre dann der Wert des Mehrprodukts, das nur aus der
Arbeitszeit der Nicht-Dienstleistenden erzeugt wurde, gleich der
Mehrarbeitszeit aller Arbeiter einschließlich der Dienstleistenden, was ein
Widerspruch ist. Er lässt sich beheben, wenn wir annehmen, dass nur die
Nicht-Dienstleistenden-Branchen zum Mehrwert beitragen, und die
dienstleistenden Branchen zu Reproduktionskosten (ohne Mehrwert und
Profitmöglichkeit) remuneriert werden.
Das Problem ist etwas umständlicher zu
behandeln als vorher, da es zwei unterschiedliche Arten von Produktionen gibt,
Waren und Dienste. Ich beschreibe die Wirtschaft daher mit partitionierten
Matrizen A, C und S, die je vier Submatrizen enthalten:
A11
A12 C11 C12 S11 S12
A
= ( ),
C = ( ),
S = ( ),
A21
A22 C21 C22 S21 S22
wobei für die Dienstleistungssektoren
gelten muss: S21 = 0, S22 = 0, da kein Beitrag zum Mehrprodukt s geleistet
wird, und daher auch:
(A21 + C21) x1 + (A22 + C22) x2 = x2
Die erste Wertgleichung für die
warenproduzierenden Sektoren hat fo
w A11 +
l = w
und
w = l minv( E – A11 )
Nun werden aus dem ursprünglich
anfallenden neu geschaffenen Wert l die Dienstleistungen pro Stück in der Höhe
von p A21 bezahlt. p ist der Stückpreis der Dienstleistungen (Zeilenvektor)
haben:
p wird aus w ( A12 + C12) + p (A22 +
C22) = p berechnet, das ist die Verteilungsseite der Dienstleistungssektoren,
in denen angenommen wird, dass kein Mehrwert anfällt.
Daraus fo
p = w ( A12 + C12) minv[ E - (A22 + C22)
] = l minv( E – A11 ) ( A12 + C12) minv[ E - (A22 + C22) ]
Wieviel Mehrwert p verbleibt dann den warenproduzierenden
Sektoren zum Akkumulieren? Aus dem neugeschaffenen Wert l müssen die gesamten
Reproduktionskosten der Dienstleistungssektoren und die ArbeiterInnen der
eigenen Sektoren bezahlt werden. Der Rest ist der Stück-Mehrwert
p = l – w C11 - p
(A21 + C21) = w (E - A11 - C11) – p (A21
+ C21)
Die erste Formel nach dem ersten
Gleichheitszeichen geht vom neugeschaffenen Wert aus, die zweite vom gesamten
Stückwert.
Das noch verbleibende Mehrprodukt s aus
den x1 Stück Waren produzierenden Sektoren errechnet sich aus
s = (E - A11 - C11) x1 - (A12 + C12) x2.
Nun ist die Frage, ob die gesamte
Profitmasse, berechnet über die Stück-Mehrwert, gleich der bepreisten
Mehrwertmasse ist.
Ist also
p x1 = w s ?
Dies lässt sich relativ leicht, wenn
auch ein wenig umständlich beweisen:
p x1 = [w (E - A11 -
C11) – p (A21 + C21)] x1
soll gleich sein
w s = w (E - A11 - C11) x1 - w (A12 +
C12) x2
daraus fo
p (A21 + C21) x1 = w ( A12 + C12) minv[
E - (A22 + C22) ] (A21 + C21) x1
soll gleich sein
w (A12 + C12) x2
Nun gilt laut Voraussetzung für die
Dienstleistungssektoren, dass sie kein Mehrprodukt erzeugen, und daher
(A21 + C21) x1 + (A22 + C22) x2 = x2
oder (A21 + C21) x1 = [E - (A22 + C22)]
x2
Einsetzen in die linke Seite der obigen
Gleichung ergibt das gewünschte Resultat (q.e.d)
w ( A12 + C12) minv[ E - (A22 + C22) ]
(A21 + C21) x1 = w ( A12 + C12) minv[ E - (A22 + C22) ] [E - (A22 + C22)]
x2 =
w (A12 + C12) x2.
Von nun an gilt das, was ich schon für
warenproduzierenden Sektoren weiter oben ausgeführt habe, mit dem Unterschied,
dass der Ausgangsmehrwert (und das Mehrprodukt) nun ausschließlich aus den
warenproduzierenden Sektoren stammt. Ich kann nun neue Preissysteme ausrechnen,
die mit der entsprechenden sozio-technischen Struktur verträglich sind und wo
das Mehrprodukt beliebig auf alle Sektoren aufgeteilt werden kann. Damit
erhalten auch die Dienstleister ihre Profite, etwa über ein System der
Produktionspreise. Über die Preissysteme wird die jeweilige Variante der
Aufteilung des Mehrprodukts mit Preisen versehen aus den anfallenden Profiten
bezahlbar.
Es gilt für die Summen aller
Brutto-Produktionswerte in den üblichen Leontief-Modellen und auch in den
gängigen Gesamtrechnungssystemen, dass Doppeltzählungen enthalten sind. Wir
haben dagegen quasi mit einem Material Product System (MPS) begonnen und auf
ein System of National Accounts ungerechnet. „Echte“ Arbeitswerte entsprechen
nur materiellen Produkten, alle anderen Bewertungen sind Preise, die durch
Umverteilung entstehen.
Ich habe leider mit meiner Antwort etwas länger gebraucht, da ich
nicht nur Theorie liefern wollte, sondern auch Empirisches. Und das kann ich
nun. Ich habe mir die Input-Output-Tafel 2003 der Österreichischen Volkseinkommensrechnung
nach SNA mit 57 Wirtschaftszweigen gekauft und habe verschiedene Wertrechungen
durchgeführt, die mit der empirischen Ausgangsvariante verglichen werden, und
zwar
eine „klassische“ oder weitgehend
übliche Variante (z.B. Paul Cockshott und Cottrell etc.), wo alle Sektoren
gleichberechtigt in die Wertbestimmung eingehen. Dies ist das häufig verwendete
Modell (entspricht m.E. aber nicht dem Band 1)
die stoffliche Variante, wo Werte nur in
den stofflichen Bereichen erzeugt und Investitionen = Profite nur von diesen Sektoren
angeeignet werden. Dienstleistungsbereiche werden zu Reproduktionskosten (wie
bei Ihnen der Staat) alimentiert, können aber das Mehrprodukt nicht
investieren, da sonst das Prinzip des „gerechten“ Tausches der stofflichen
Sektoren verletzt werden würde. (das wäre
Produktionspreise, allerdings mit der
Einschränkung, dass ich aus Unkenntnis der quantitativen Werte auf das fixe
Kapital verzichte (wie auch auf die Berücksichtigung der Abschreibungen). Dies
ist kein essentielles Problem und lässt sich ohne Schwierigkeit bei Vorliegen
von empirischen oder hypothetischen Daten einbauen. Die Produktionspreise
werden als Links-Eigenvektoren der Matrizen A + C berechnet (analog zur Bortkiewicz-Lösung).
Zur Vereinfachung der Rechnungen habe
ich angenommen, dass die Kapitalisten nur in ihrer Rolle als Unternehmer
gesehen werden, die ihre Profite zur Gänze investieren. Der Unternehmerkonsum
wird zur Vereinfachung und mangels Daten den LohnarbeiterInnen zugerechnet,
aber auch das ist keine große Geschichte, wenn wir bessere Daten oder validere
Annahmen hätten. Ebenso ist einstweilen der Öffentliche Sektor zur Gänze dem
Mehrwert zugerechnet, der unter den jeweiligen Bedingungen dann als so etwas
Ähnliches wie der „Betriebsüberschuss“ in Erscheinung tritt. Auch diesen Sektor
könnte ich herausrechnen und gesondert behandeln. Die fo
Die Abgrenzung nach stofflichen und
Dienstleistungssektoren habe ich einfach zwischen Bauwesen und Handel (ab
Sektor 33 Dienstleistungen) vorgenommen. Hier wären noch einige
Ungereimtheiten, die ich aber aus Faulheit nicht bereinigt habe (Umstellung der
I-O Tafel durch Vertauschen von Zeilen und Spalten).
Das erste Bild vergleicht die
Brutto-Produktionswerte zu Herstellungspreisen (während die Vorleistungen und
die Endnachfrage zu Anschaffungspreisen bewertet sind) mit
den klassischen Arbeitswerten
den stofflichen Arbeitswerten
Die Normierung erfo

Das nächste Bild vergleicht die
empirischen BP-Werte mit den Produktionspreisen (ausgeglichene Profitraten auf
das konstante – in diesem Fall nur das zirkulierende, nicht aber das fixe –
kapital vermehrt um das variable Kapital (Löhne ohne
Sozialversicherungsbeiträge der Unternehmer, kann aber genauso incl.
Sozialversicherungsbeiträgen gerechnet werden – die Daten sind vorhanden). Die
Arbeitswerte stofflich sind ebenfalls zu Vergleichszwecken sichtbar.

Die Ergebnisse sind in Bezug auf die
Ähnlichkeit der jeweiligen Werte mit den Ist-Werten (BPWs) nicht schlecht: Die
Korrelation zwischen BPW und den klassischen Werten ist 0.940, die Korrelation zwischen den stofflichen
Werten ist 0.904, und die Korrelation der BPWs mit den Produktionspreisen
beträgt ziemlich hohe 0.974.
Die fo
Ist Werte: Wertstruktur
Die fo

Das nächste Bild zeigt die stofflichen Arbeitswerte,
wobei die Dienstleistungssektoren zu Reproduktionskosten (ohne
Mehrwertvermittlung) bewertet sind. Der BPW der Dienstleister setzt sich nur
aus c und v zusammen, m = 0. Die Mehrwertanteile der stofflichen Sektoren sind
höher als bei allen anderen Preissystemen. Mit diesen Mehrwerten wären sie in
der Lage. Das gesamte Mehrprodukt zu kaufen und zu investieren, während die
Dienstleister ohne Mehrwert verbleiben.

Die letzte Grafik der Wertstrukturen
zeigt die Produktionspreise: Incl des öffentlichen Sektors ergibt sich eine
durchschnittliche Profitrate von rund 25% (natürlich würde sie viel kleiner
sein, wenn etwa das konstante fixe Kapital eingerechnet werden würde, sie würde
dann auf 5% bis 8% sinken (entspräche einem fixen Kapital, das 5 bis 3 Mal
größer wäre als das zirkulierende).

Nun noch die Werte in absoluten Größen:
Die Bilder sind so zu lesen, dass der
Mehrwert ab der Nulllinie nach oben aufgetragen wird, nach unten das variable
und darunter das zirkulierende Kapital. Das erste der fo

Das fo

Das nächste Bild zeigt die stofflichen
Werte, ebenfalls in 1000 Arbeitsstunden gemessen, das sind natürlich viel
weniger:

Und das letzte Bild dieser Serie zeigt
die Produktionspreise, wieder in EURO. Die Gewinnspitzen sind wesentlich
gleichmäßiger verteilt als im ersten Bild dieser Serie. Man kann sehen, dass
das Verhältnis zischen m/(c+v) für alle Branchen konstant ist.

Nun habe ich mir noch den Spaß gemacht,
die Marxsche Vorgangsweise zur Berechnung der Produktionspreise
nachzuvollziehen. Er hat meiner Meinung nach den ersten Schritt eines
Iterationsprozesses vollzogen, der das korrekte Resultat ergibt, wenn man
diesen Schritt wiederholt. Der A
Das interessante Ergebnis: nach wenigen
Iterationen führen ALLE unterschiedlichen Preissysteme (klassisch, stofflich
und Ist-Preise) zu den gleichen Produktionspreisen. Ich illustriere dieses
Resultat anhand der Wertstruktur nach der 2. Iteration. Ausgangspunkt sind die
obigen Wertstrukturen der einzelnen Preissysteme.
Ist-Preise nach zwei Schritten des
Profitratenausgleichs:

Klassische Werte (die bisher negativen
Gewinne sind verschwunden)

Stoffliche Werte

Soweit bin ich bisher gekommen.
Zum Schluss noch ein Video des Transformationsproblems
Mit den besten Grüßen und der Bitte um
Ihren Kommentar.
Herzliche Grüße
Peter Fleissner