Di 01.04.2008 18:06

Peter Fleissner an Georg Quaas

Lieber Georg Quaas,

 

herzlichen Dank für die Kommentare.

 

Zunächst zur Frage Festlegung. Ich bin leider nicht so festgelegt, wie ich es gerne sein wollte. Ich könnte auch andere Positionen vertreten, vor allem bei der Wahl der Bezeichnungen hätte ich kein Problem, diese auszuwechseln. Es ist mir wichtig, der Wahrheit, der inneren Widerspruchsfreiheit und der Anschlussfähigkeit an laufende Diskurse nachzulaufen, und dazu muss ich determiniert sprechen – was vielleicht sicherer klingt als ich wirklich davon überzeugt bin, was ich auszudrücken versuche. Meine Position habe ich vor ca 30 Jahren skizziert, aber noch nicht logisch schlüssig ausgearbeitet. Das würde ich jetzt gerne nachholen. Ich habe auch damals so gut wie keine Reaktion von Seiten der scientific community erhalten.

 

Bezüglich der Internet – Publikation würde ich gerne auf der transform!at homepage eine Rubrik „Überlegungen zur Politischen Ökonomie“ oder „Gedanken zur Arbeitswerttheorie“ die Texte hintereinander, wie wir sie ausgetauscht haben, als Links aufrufbar machen, etwa steht dort:

„Georg Quaas 26. März 2008“

„Peter Fleissner 27. März 2008“

 

Natürlich könnten Sie Ihre Texte vorher redigieren. Es sollte aber eine gewisse Lebendigkeit erhalten bleiben, und es sollten auch zusätzliche Texte in Hypertextmanier als Verweise aufrufbar sein (zumindest als Hinweis auf den Verlag, besser noch als direkter Link zu einem Volltext).

 

Ich bin in der nächsten Woche in Berlin, habe einen Termin mit Herrn Weist und kann mit ihm über Veröffentlichungsvarianten reden. Einen Beitrag zur Geschichte der Arbeiterbewegung könnte ich mir vorstellen, er sollte aber eine Internetpublikation nicht ausschließen. Zum historischen Exkurs müsste ich aber passen, da bin ich nicht belesen genug, das wäre Ihr Part.

 

Was ist denn Ihr Arbeitsinhalt für die kommenden Jahre? Vielleicht gibt es Überschneidungen?

 

Wenn ich den Artikel WTH_3 richtig verstanden habe, bezieht er sich wesentlich auf die Bestimmung individueller Werte (in unterschiedlichen Ländern geleistet) im Unterschied von der gesellschaftlich durchschnittlichen notwendigen Arbeitszeit (der Weltmarkt). Äquivalenter Tausch ist (ich meine das fragend) durch Ihre Formel (21) mit W(a) = W(b) definiert, was nur für Arbeits(durchschnitts)werte gilt. Individuelle Arbeitszeitaufwände für ein Unternehmen, das a, und ein anderes, das b herstellt, weichen davon ab, und daher liegt Äquivalententausch nicht vor.

 

Da von meiner Seite in der Diskussion mit Ihnen die individuellen Werte noch gar nie vorgekommen sind, und ich auch empirisch nur Produktionszweige in Durchschnittsbetrachtung vor mir habe, ist eine Verletzung des Äquivalenzprinzips bei mir nur als Verletzung des Äquivalenzprinzips auf Durchschnittsebene gemeint. In meiner Sicht und bei Betrachtung der abstraktesten Ebene der Wertberechnung, die ich mit einem Minimum an empirischen Informationen rekonstruieren kann, ist nur bei Eingrenzung der Wertrechung auf Sektoren der materiellen Produktion ein Äquivalententausch möglich. In dem Augenblick, wo Dienstleistungssektoren ihre Profite investieren können und die entsprechenden Gleichgewichtspreise vorausgesetzt sind, ist der in den Sektoren der materiellen Produktion a erzeugte Mehrwert W(a) nicht in der Lage, das gesamte Mehrprodukt, das von a erzeugt wurde, im Wert von W(a) in unterschiedlicher Zusammensetzung gegenüber der produzierten Zusammensetzung aus ihrem Mehrwert zu kaufen, weil ihnen die Dienstleistungssektoren Teile des Mehrprodukts wegschnappen (was sich natürlich in einem entsprechenden Preissystem niederschlägt, das genau diesen nichtäquivalenten Tausch ermöglicht).

 

Dass Sie individuelle Werte behandeln, finde ich sehr interessant. Das wäre mein nächster Schritt der Rekonstruktion der Ökonomie über agent based simulation. Ich habe bisher nur bei Waltuch (Marx’ Theory of Commodity and Surplus Value,Moscow 1987) eine mathematische Variante gefunden, die ich in JAVA nachgebaut habe. Hätten Sie Interesse an diesem Programm, das in m Sektoren n(m) Unternehmen zulässt? Läge eine solche Arbeit in Ihrem Interessensspektrum?

 

Nun direkt zu Ihren Argumenten:

 

Lieber Peter Fleissner,

 

ein wichtiger Teil meiner Argumentation scheint ja nach Ihren Einfügungen ins Leere zu laufen, da Sie das – wie ich es bezeichnet habe – „Wertübertagungsmodell“ gar nicht als Teil Ihrer Position akzeptieren, jedenfalls nicht explizit.

 

Dass im Produktionsprozess von Waren durch Arbeit, insofern sie als stoffumwandelnd und Gebrauchswerte schaffend angesehen wird, Wert übertragen wird, und zwar von den Produktionsmitteln auf das Produkt und in einem Maße, wie das u.a. von der jeweils herrschenden Technologie vorgegeben wird, ist eine Behauptung, die stark metaphysischen Charakter trägt. Klarerweise setzt diese Behauptung voraus, dass Waren tatsächlich diese, von den menschlichen Sinnen nicht direkt beobachtbare Eigenschaft haben, die wir Werttheoretiker als „Wert“ bezeichnen. Man kann den Prozess der Wertübertragung aber auch ohne die metaphysischen Voraussetzungen beschreiben, in dem man auf die beobachtbaren Fakten hinweist, die er erklären soll: Durch das Modell der Wertübertragung wird dem Fakt Rechnung getragen, dass die Kosten, die durch Verbrauch und Verschleiß von sachlichen Produktionsfaktoren in der Produktion entstehen, als Teil des Produktionspreises wiedererscheinen müssen, wenn die Reproduktionsbedingungen gesichert sein sollen. Dadurch ist ökonomisch die Wiederbeschaffung der Güter über den Markt gesichert, die im Produktionsprozess untergegangen sind. Natürlich gilt das nur, wenn der Verbrauch und Verschleiß der Produktionsfaktoren wirklich „notwendig“ war – worin ein ganzer Komplex von technologischen und sonstigen Markt-Bedingungen stecken mag.

 

Ok, einverstanden

 

Aus dieser Sicht ist nun interessant zu sehen, wie Sie sich von meiner etwas voreiligen Unterstellung, das Wertübertragungsmodell auf Dienstleistungen anzuwenden, abgrenzen:

 

„Diese Aussage sollte nicht auf eine Wertübertragung von Diensten hinweisen, sondern soll anstelle der Angabe nicht-stofflicher Produkte (Ihre Terminologie) die Höhe der Kosten für die Produktion der Ergebnisse der Dienstleistungen ausdrücken.“

   

Genau das ist der Fakt, der auch von jedem Betriebswirt anerkannt werden wird und der – sofern es sich im Produktionsprozesse von Waren handelt – von Marx durch das Wertübertragungsmodell erklärt wird. Ich könnte Ihnen jetzt vorwerfen, dass Sie ein verschämter Werttheoretiker sind, wenn Sie sich an dieser Stelle nicht zu jenem Modell bekennen wollen. Dazu hätte ich allerdings kein Recht, da ich an anderer Stelle ebenfalls etwas „verschämt“ argumentiert habe (Arbeitsquantentheorie, S.68).

 

Aus meiner Sicht sind ja gerade Dienstleistungen Ergebnisse von Arbeit, die selbst nicht Träger von Wert sind, sondern Herstellungskosten besitzen, die inhaltlich aus der materiellen Produktion stammen, und aus diesem Grund einen Marktpreis haben. Der Wert sitzt in den stofflichen Voraussetzungen der Dienstleistungsproduktion. Menschen kommen in diesem Sektor auf der Ebene des Produktionsprozesses zwar vor, weil sie Löhne erhalten und diese verkonsumieren, aber nicht als eigenständige Wertproduzenten.

 

In der Tat ist die metaphysische Annahme verzichtbar; andererseits ist sie auch nicht so problematisch, wie ich damals dachte. Wissenschaften kommen nie ganz ohne Metaphorik aus, warum sollte die Werttheorie da eine Ausnahme machen?

 

Wenn wir unsere Meinungsverschiedenheit auf den faktischen Rahmen reduzieren, dann läuft es m.E. auf folgendes hinaus: Ihrer Ansicht nach sind (die Resultate der) Dienstleistungen, die ein Dienstleister im Laufe seines Lebens erbringt, nur so viel wert, wie die stofflichen Faktoren, die er im Laufe seines Lebens kulturbedingt verzehren mußte, um seine Arbeitskraft herzustellen und zu erhalten, gekostet haben.

 

Ja

 

Ich dagegen würde meine Position so darstellen: Der Dienstleister ist Eigentümer von Arbeitskraft, nämlich seiner eigenen, die bekanntlich mehr Wert schaffen kann, als sie selbst wert ist. Folglich KANN der Wert der Dienstleistungen, die ein Dienstleister im Laufe eines Lebens erbringt, größer sein als die Kosten der Reproduktionsbedingungen.

 

Welchen Wert auf welcher Ebene der Betrachtung meinen Sie?

 

Wenn man nun Werte und Preise gleichsetzen könnte, dann wäre es möglich, die beiden Thesen empirisch zu überprüfen. Ich denke, dass meine These dabei besser abschneiden würde.

 

Ja, klar, auf der Erscheinungsebene der Ist-Preise spielen ja auch Dienstleistungen Profite ein, die ihnen eine erweiterte Reproduktion und Kauf des Mehrprodukts ermöglicht. Aber dort ist ja auch der Äquivalententausch verletzt und damit die ursprüngliche Version der AWT.

 

***

 

Ein anderer Punkt, auf den ich erwidern möchte, betrifft wieder die Frage, wie Dienstleistungen in der (österreichischen oder deutschen – ist wahrscheinlich egal) VGR gehandhabt werden. Sie schreiben:

 

[Um es noch einmal zu sagen: In der VGR tritt das Problem im Prinzip NICHT auf, weil Dienstleistungen zu den Vorleistungen zählen und die bei der Analyse der einzelnen Wertschöpfungsakte abgezogen werden.]

 

Ich fürchte, diese Behauptung ist nicht korrekt, zu mindest nicht für die österreichische Volkseinkommensrechnung. Dienstleistungen sind Bestandteil des Konsums, der nicht herausgerechnet wird. Sie machen 2003 ziemlich genau die Hälfte des gesamten privaten Konsums aus.

 

Das ist auch in Ordnung so, denn als Teil des Privaten Konsums gelten Dienstleistungen ja nicht als Vorleistungen. Vorleistungen sind Dienstleistungen dann, wenn sie zu den Bedingungen eines Prozesses der Wertschöpfung gehören, dessen Produkt dann auf dem Markt verkauft wird. Als Teil des Staatlichen Konsums dagegen gelten Dienstleistungen als Vorleistungen, werden aber nicht herausgerechnet, da das Staatsprodukt (idealiterweise) nicht über den Markt abgegeben wird. – Ich präzisiere: Wenn Dienstleistungen zu den Bedingungen eines Prozesses der Wertschöpfung gehören, dessen Resultate auf dem Markt verkauft werden, werden sie - wie andere Vorleistungen auch - herausgerechnet.

 

Einverstanden

 

Dienstleistungen, deren Resultate ohne weitere Marktvermittlung konsumiert werden (Beispiele: die Dienstleistungen des Barbiers, Kellners, Schuhputzers, nicht aber des Schlossers, der eine kaputte Maschine repariert), stellen aus Sicht der VGR eine Wertschöpfung dar, die sowohl entstehungsseitig als auch verwendungsseitig berücksichtigt werden muß – auch wenn sie sofort konsumiert wird, und zwar nicht von den Dienstleistern selber, sondern von irgendeinem Konsumenten. Dass auch Barbier, Kellner und Schuhputzer essen, sich kleiden, wohnen etc. müssen, hat damit nur indirekt etwas zu tun. Die Konsumtion von Barbier, Kellner und Schuhputzer sind klar erkennbar verschiedene Akte von der Konsumtion, zu der die Dienstleister beitragen. Beides, sowohl die Konsumtion der Dienstleister als auch die Konsumtion, zu der sie beitragen, müssen gezählt werden, ohne dass man da auch nur ansatzweise eine Doppelzählung vermuten könnte: Es sind qualitativ, räumlich und zeitlich unterschiedliche Akte, die Teil der volkswirtschaftlichen Aktivitten sind, die man unter den Begriff „Private Konsumtion“ zusammenfasst.

 

Übrigens würde dasselbe gelten, wenn die Dienstleister keinen originären Neuwert zu schaffen in der Lage wären und nur ihre Reproduktionskosten ersetzt bekämen: Auch dann gäbe es keine Doppelzählung.

 

Hier stimme ich nicht zu. Ein Teil des Brutto-Produktionswerts der Sektoren der materiellen Produktion (und damit der Güter, die dort produziert werden), kauft quasi im äquivalenten Tausch Dienstleistungen und gibt dafür genau die Produktionsbedingungen für die Dienstleistungen weiter, die dann im BPW der Dienstleistungen (Kosten) nochmals auftauchen. Insofern ist das BIP ein sonderbares Maß, das eben bepreiste Güter und Dienste addiert. Würde die Verwendung der Güter verändert werden und zusätzlich zur Erstellung von Dienstleistungen eingesetzt werden, würde das BIP steigen, aber der stoffliche Reichtum gleich bleiben. Ich denke, es wird auch ganz praktisch klar, dass die mögliche gleichgewichtige max. Wachstumsrate (Wachstum des Kapitalsstocks läuft m.E. nur über Investitionen) und auhc die Profitrate bei Anwesenheit eines größeren Dienstleistungssektors niedriger sein muss als bei einem kleineren (ceteris paribus gesehen), sonst gehen sich die Bilanzgleichugnen der VGR nicht aus.

 

***

 

Auf Ihr Wittgenstein-Beispiel haben Sie eigentlich schon selber geantwortet:

 

Natürlich könnten ev. die von Wittgenstein gebildeten Schüler in längerer Frist als Bauern vielleicht wesentlich produktiver sein als deren Eltern

 

Denn hier räumen Sie ja ein, dass der von Wittgenstein bzw. seiner Tätigkeit als Schulmeister erzeugte Wert überhaupt nicht in den Wert des Getreides eingeht (noch ihn schmälert), sondern Teil des Wertes von Arbeitskräften ist, von denen eine zukünftige Wertproduktion abhängt.

 

Ja, da stimme ich zu, aber das ist der indirekte Effekt (2. Ordnung). Der direkte Effekt, der sich in den Bilanzgleichungen der VGR niederschlägt, ist immer ein Abzug vom verfügbaren Mehrprodukt zur Ermöglichung des Lebens von Herrn Wittgenstein.

 

Etwas ausführllicher: Wenn ich über die Biografie Wittgensteins richtig informiert bin, war er für kurze Zeit Schulmeister und wurde somit vom Staat bezahlt. Insofern hat seine Tätigkeit mit dem Getreidespeicher der Bauern nur sehr vermittelt etwas zu tun. Aber nehmen wir einmal an, die Bauern müßten Wittgenstein von ihrer Ernte direkt bezahlen!

 

Ich habe gemeint, die Bauern bezahlen Herrn Wittgenstein selbst. Aber auch wenn der Staat ihn bezahlt – woher nimmt die öffentliche Hand die Mittel dazu (wenn nicht von zusätzlichen Steuern von den Bauern)?

 

Wäre das eine Verminderung ihres Mehrwertes oder Profits? Nicht im geringsten!

 

Der Profit wird nicht vermindert, aber die durchschnittliche Profitrate der Gesamtwirtschaft wird kleiner, weil das Unternehmen Wittgenstein einen zusätzlichen Kapitalvorschuss (doppeltes Auftreten der Produktion der Bauern) einbringt, der von den Bauern finanziert wird, und das Mehrprodukt (als Wert im Zähler der Berechung der Durchschnittsprofitrate) unverändert ist.

 

Sie verwenden den Mehrwert in einer der möglichen Weisen, in diesem Fall so, dass der Wert bäuerlicher Arbeitskräfte in Gestalt ihrer Kinder mittelfristig erhöht wird. Vielleicht haben sie ja geahnt, dass die österreichische Landwirtschaft für alle Nachkommen keine Zukuft bieten wird und sie somit weniger Bauern, dafür mehr Barbiere, Kellner und Schuhputzer reproduzieren müssen. Dass die Bauern also stofflich gesehen ein paar Kilo von ihrem Getreide an den gescheiten Ludwig abgeben, ist eine kluge Investition in die Zukunft, die sie dann auf dem Altenteil oder im Pflegeheim in Form von Kaffee, Kuchen und Pillen zurückbekommen.

 

Auf einer konkreteren Ebene der Betrachtung bin ich voll bei Ihnen, aber wiederum: Dies ist die Betrachtung der indirekten Effekte.

 

Abstrakt und kurz ausgedrückt: Mehrprodukt und Mehrwert sind in ihrer Größe von der Produktion abhängig, und nicht von ihrer Verwendung.

 

Ich bin ganz mit Ihnen, wenn die Struktur der Wirtschaft, die technischen Koeffizienten (Matrix A), die Konsummatrix C und die Stückarbeitsproduktivität gleich bleiben. Aber durch das Auftreten von Wittgenstein ändert sich die Wirtschaftsstruktur und die Profitrate wird im Effekt erster Ordnung ebenso kleiner wie die maximal mögliche Wachstumsrate.

 

ANDERS WÄRE ES, wenn die Dienste Wittgenseins für das Zustandekommen des Getreides notwendig gewesen wäre – etwa so, wie ein Teil des Getreides zur Aussat benötigt wird. Dieser Teil schmälert natürlich das Mehrprodukt und den Mehrwert. Man kann das aber nicht als Abzug oder profitsenkenden Faktor ansehen, da ja ohne diese Faktoren weder Produkt noch Mehrprodukt zustande kommen würden.

 

Die entscheidende Frage zur polit-ökonomisch korrekten Darstellung des Wittgenstein-Beispiels besteht also darin: Ist Wittgensteins Tätigkeit als Schulmeister für die Reproduktion der bäuerlichen Arbeitskräfte notwendig gewesen oder nicht? Wenn „Ja“ richtig ist, dann ist seine Dienstleistung Voraussetzung des Mehrproduktes und kein Abzug davon. Wenn die Antwort „Nein“ lautet, dann handelt es sich um eine der möglichen Verwendungen des Mehrproduktes, die die Existenz dieses Mehrproduktes ebenfalls voraussetzt, und zwar in voller Höhe. Im umgangssprachlichen Sinne ist das dann zwar ein „Abzug“ von Getreide vom Speicher, aber nicht im polit-ökonomischen Sinne.

 

Siehe oben

***

 

Auf Ihr Orchesterbeispiel habe ich generell schon geantwortet – in Zusammenhang mit der Problematik der Informationen, die einen geeigneten Träger brauchen, um handelbar zu werden.

 

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Lieber Peter Fleissner, wenn ich an der einen oder anderen Stelle wieder polemisch geworden bin, bitte ich das zu entschuldigen – es legt mir halt so im Blut. Generell finde ich es bemerkenswert, dass wir in so vielen Punkten übereinstimmen. Ich bin auch nach wie vor der Meinung, dass man die Dienstleistung – wenn man sich streng an Marx halten will – lieber so interpretieren sollte wie Sie es tun (mit Ausnahme der Doppelzählung). Aber tut man ihm damit einen Gefallen? Will sagen: Ist das der Entwicklung der Werttheorie förderlich, wenn man sich an den Buchstaben der Marxschen Werke hält und ihre Konzepte vernachlässigt? Ich meine die Basis-Konzepte der Vergegenständlichung von Wert und der Wertübertragung durch Arbeit. Welches von beiden passt besser zur Dienstleistung? Das ist die Frage, die wir heute beantworten müssen, weil Dienstleistungen zu einem Phänomen geworden sind, das man nicht mehr als randständig betrachten kann.

 

Mein methodischer Vorschlag zur Behandlung der Frage wäre ein Aufsteigen vom Abstrakten zum Konkreten, ähnlich wie Marx das Transformationsproblem lösen wollte. Insofern ist ein widerspruchsfreier Ausgangspunkt (Wertrechnung in der materiellen Produktion, äquivalenter Tausch) zur Bestimmung der Produktionspreise nicht irrelevant, da er eine ontologische Positionierung erlaubt.

 

Ein weiterer Schritt ist dann die Frage, wie Eigen- und Hausarbeit werttheoretisch korrekt einzuordnen sind. Aber lassen Sie uns einen Schritt nach dem anderen tun und hören, was andere zu unserer Diskussion beisteuern können.

 

Ganz meinerseits

 

Mit besten Grüßen

Georg Quaas

 

Herzlich

Peter Fleissner