Mi 16.04.2008 15:02

Georg Quaas an Peter Fleissner

Lieber Peter Fleissner,

 

ich bin Ihnen noch ein paar Antworten schuldig.

 

Zum Äquivalententausch: Sind Sie mit meiner Interpretation einverstanden?

 

Dass sich meine Behauptung der Verletzung des Äquivalententausches auf die individuellen Werte bezieht und nicht auf die (gesellschaftlichen) Durchschnittswerte – da stimme ich Ihrer Interpretation zu. - In diesen Zusammenhang kann man noch eine andere Bemerkung stellen. Ich habe geschrieben:

 

Der Dienstleister ist Eigentümer von Arbeitskraft, nämlich seiner eigenen, die bekanntlich mehr Wert schaffen kann, als sie selbst wert ist. Folglich KANN der Wert der Dienstleistungen, die ein Dienstleister im Laufe eines Lebens erbringt, größer sein als die Kosten der Reproduktionsbedingungen.

 

Darauf fragen Sie:

 

Welchen Wert auf welcher Ebene der Betrachtung meinen Sie?

 

Ich beziehe mich mit meiner These auf die Ebene der WERTE als Durchschnittsgrößen, die die gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit zur Herstellung des entsprechenden Produktes (Gebrauchswert oder Dienstleistung) ausdrücken.

 

Zu Nelson-Winter: Ist das ein Modell für die gesamte deutsche Volkswirtschaft? Ich kenne die Original-Arbeit der beiden aus dem Jahre Schnee als Mikrosimulationsmodell.

 

Die Originalarbeit, die ich benutze, heißt: An Evolutionary Theory of Economic Change. Diese bezieht sich auf eine Volkswirtschaft (Solow Daten 1909-1949).

 

Zu RWI Konjunkturmodell: Was sind seine Besonderheiten? Gibt’s irgendwo ein paper dazu? Ich habe schon einige Makromodelle und I-O Modelle von Volkswirtschaften gemacht, und habe dann neuronale Netze anstelle Regressionsrechnung mit Erfolg (30% geringere Abweichungen bei echten Prognosen) eingesetzt. Das Prognose-Dreieck (aus Original, Vorhersage und Fehler), das bei der linearen Regressionsrechnung rechtwinkelig ist, bewirkt ja wegen der Dreiecksungleichung immer eine kleinere Varianz für die Prognose im Vergleich zum Original. Für neuronale Netze gilt das nicht und man kann daher Schwingungen mit größerer oder gleicher (der bessere Fall) Amplitude wie im Original prognostizieren, dafür sind die Schätzer nicht unbiased (wie im Regressionsmodell).

 

Vom RWI Essen gibt es eine Menge Papers von verschiedenen Autoren dazu. Es ist eines der aktiven ökonometrischen Modelle der BRD.

 

Ich mache ev. in der Zwischenzeit einen Entwurf einer html-Seite und sende Sie Ihnen zum Ändern bzw. für Ihr ok. Ich meine, dass gerade kleine Dinge, die nicht unbedingt zum Thema gehören, einen Text lebendiger erscheinen und leichter lesbar werden lassen. Ich werde eventuell unterschiedliche Farben zur Charakterisierung der Urheberschaft nützen.

 

Gute Idee. Ich habe vesucht, bei meiner Überarbeitung das zu verstärken. Es sind übrigens nur zwei oder drei Sätze weggefallen, ansonsten: nur kleinste redaktionelle Korrekturen…

 

In den letzten Tagen ist mir noch etwas aufgefallen: eine geometrische Interpretation der Preissysteme im Leontief – Modell. Ist Ihnen so etwas in der Literatur bereits untergekommen? Ich füge einen Ausris eines Entwurfs an:

 

Nein, so etwas habe ich noch nicht gesehen. Wenn man sich mit I-O-Modellen beschäftigt, liegt es aber nahe, sich Outputs, Inputs, Preise etc. im n-dimensionalen Raum vorzustellen.

 

Habe ich das richtig verstanden, dass Sie – wie viele andere auch – für Ihre Modelle stets einfache Arbeit unterstellen? Das finde ich schade. Wie soll man jemals die Werttheorie für die empirische Ebene fit bekommen, wenn man nicht einmal so genau ist, dass die Tatsache unterschiedlich komplizierter Arbeiten anerkannt wird? Hier würde ich einen weiteren Mangel der aktuellen Diskussion über die Werttheorie sehen. Zwar weiß jeder, dass es sich um eine ARBEITS-Werttheorie handelt, aber die Arbeit und ihre verschiedenen Dimensionen und Ausprägungen (à Dienstleistungen!) werden nur halbherzig zur Kenntnis genommen.

 

Mit besten Grüßen

Georg Quaas