Mi 16.04.2008 16:04

Peter Fleissner an Georg Quaas

Lieber Herr Quaas,

[…]

 

Habe ich das richtig verstanden, dass Sie – wie viele andere auch – für Ihre Modelle stets einfache Arbeit unterstellen? Das finde ich schade. Wie soll man jemals die Werttheorie für die empirische Ebene fit bekommen, wenn man nicht einmal so genau ist, dass die Tatsache unterschiedlich komplizierter Arbeiten anerkannt wird? Hier würde ich einen weiteren Mangel der aktuellen Diskussion über die Werttheorie sehen. Zwar weiß jeder, dass es sich um eine ARBEITS-Werttheorie handelt, aber die Arbeit und ihre verschiedenen Dimensionen und Ausprägungen (à Dienstleistungen!) werden nur halbherzig zur Kenntnis genommen.

 

Zur einfachen und komplizierten Arbeit haben zwei meiner Studenten als Seminararbeit auf der Basis der I-O Tafel von 2003, allerdings mit nur 15 Sektoren, Regressionen zwischen den Ist-Preisen und dem Arbeitswert (in Euro, alle Sektoren wertbildend) gerechnet, wobei der neu geschaffene Wert nach formalen Qualifikationen unterteilt ist. Die Ergebnisse sind den Erwartungen entsprechend, wenn man zwei Gruppen bildet, also niedrige vs. hohe Qualifikationen. Die Studenten erhielten um den Faktor 2,… höhere Arbeitswertbeiträge pro Arbeitszeiteinheit bei den hohen Qualifikationen als bei den niedrigen. Bildet man drei Gruppen, liegt der Faktor für die mittlere Qualifikation paradoxerweise niedriger als die beiden anderen. Das könnte natürlich auch ein methodisches Artefakt sein, das durch Multikollinearität erzeugt wird.

 

Beste Grüße

 

Peter Fleissner