15. Mai 2008
Wolfgang Hoss an Peter Fleissner
Wolfgang
Hoss Januar 2008
Marxens Produktionspreistheorie. Das
Transformationsproblem
Im ersten Band des
"Kapital" formulierte Marx den für die marxistische politische
Ökonomie fundamentalen Grundsatz, daß sich die Waren im Durchschnitt und im
Hauptfall (abgesehen von Ausnahmen wie insbesondere vom Grund und Boden und von
den unbearbeiteten Bodenschätzen, oder abgesehen von Kunstwerken und seltenen
Gütern mit hohem Schönheitswert) zu arbeitszeitbestimmten Werten tauschen, und
daß der Wert einer Ware durch die zu ihrer Herstellung gesellschaftlich
durchschnittlich notwendige Arbeitszeit bestimmt ist. Aber der Akzeptanz dieser
Marxschen These steht, neben vielen wenig fundierten Einwänden, ein echtes Problem
entgegen, nämlich das Produktionspreisproblem, welches durch Marx nicht
zufrieden-stellend gelöst wurde. Manche Kritiker haben diese Schwäche der
Marxschen Werttheorie seit Beginn der Diskussionen weidlich ausgenutzt, und das
Produktionspreisproblem ist auch in der heutigen marxistischen Diskussion nach
wie vor umstritten [1].
Marxens Produktionspreistheorie (Dritter Band des "Kapital") enthält
den sogenannten Kostpreisirrtum, nach dessen Ausschaltung sie scheinbar oder
tatsächlich dem Grundsatz der Wertbildung durch die gesellschaftlich
durchschnittlich notwendige Arbeitszeit widerspricht. Bei
überdurchschnittlicher organischer Zusammensetzung des Kapitals eines Zweigs,
das heißt bei einem hohen Anteil des im Produktionsprozeß angewandten
konstanten Kapitals c im Verhältnis zum vorgeschossenen variablen Kapital v
(Lohn) sollen nach Marxens Theorem die erzeugten Waren systematisch über dem
arbeitszeitbestimmten Wert getauscht werden, und bei unterdurchschnittlicher
organischer Zusammensetzung unter dem
Wert. Auf diese Weise soll sich ein Ausgleich der Profitraten bei gleichen
Mehrwertraten und verschiedenen organischen Zusammensetzungen ergeben. Die
damit systematisch vom Wert abweichenden Preise nennt Marx Produktionspreise.
Es ist aber ein großes Problem, einen eindeutigen Zusammenhang zwischen
Produktionspreisen und arbeitszeitbestimmten Werten herzustellen. In einer
meines Erachtens ausgezeichneten und sehr überzeugenden Studie weist die
Mathematikerin und Wirtschaftswissenschaftlerin Prof. Dr. Friedrun Quaas [2] nach, insbesondere auch in
Auswertung einer Abhandlung von Francis Seton [3], daß es unendlich viele
Lösungen für jede Produktionspreisgleichung gibt, und daß der Nachweis der Vieldeutigkeit
bzw. der Redundanz der Marx'schen Produktionspreistheorie heute abschließend
erbracht ist.
Wenn ein solcher
Beweis tatsächlich erbracht ist, was meines Erachtens eindeutig der Fall ist, dann
ergibt sich ein neuer Ausgangspunkt für die marxistische werttheoretische
Forschung, eine lange intensive internationale Forschungsarbeit hat damit zu
einem klaren abschließenden Resultat geführt. Aber die klassische und die
marxistische Werttheorie ist damit keineswegs endgültig ad absurdum geführt worden.
Marxens Produktionspreistheorie führt zwar zu einem absurden, ökonomisch nicht
sinnvollen Resultat, aber es gibt meines Erachtens eine erstaunlich einfache
Lösung für das durch Marx aufgeworfene werttheoretische Problem. Seine
Produktionspreistheorie basiert nämlich auf der Annahme, daß die Mehrwertraten,
abgesehen von möglichen ständigen stochastischen Schwankungen um einen
bestimmten Betrag, in allen Branchen, auch in solchen mit unterschiedlicher
organischer Zusammensetzung, an einem gegebenen historischen Zeitpunkt die
gleichen sind, daß also z.B. in einer Branche mit hoher organischer
Zusammensetzung die Mehrwertrate die gleiche ist, wie in einer Branche mit
niedriger organischer Zusammensetzung. Im Neunten Kapitel des Kapital, Dritter
Band, "Bildung einer allgemeinen Profitrate (Durchschnittsprofitrate) und
Verwandlung der Warenwerte in Produktionspreise" sagt Marx auf der ersten
Seite des Abschnitts:
"Ferner wird
bei der Vergleichung eine unveränderliche Rate des Mehrwerts angenommen, und
zwar eine irgend beliebige Rate, z.B. 100%." [4]
Diese Annahme ist
von ganz entscheidender Bedeutung für die Produktionspreistheorie, denn nur auf
Basis gleicher Mehrwertraten in allen Branchen und Sektoren entsteht das
Produktionspreisproblem und damit das Problem der Transformation der Werte in
Produktionspreise. Betrachten wir das Problem im folgenden etwa ausführlicher:
In "Das
Transformationsproblem" führt Friedrun Quaas folgendes Beispiel Marxens
an: [5]
I. 4000c + 1000v + 1000m =6000
II.
2000c + 1000v + 1000m=4000
6000
2000 2000 10000
In diesem
Ausgangsschema werden die Waren sowohl in der Abteilung I (Produktionsmittelproduktion),
als auch in der Abteilung II (Konsumtionsmittelproduktion) zu ihren
arbeitszeitbestimmten Werten ausgetauscht. Der in beiden Abteilungen produzierte
Neuwert n=v+m ist der gleiche, womit, nach der ursprünglichen Voraussetzung,
auch die neu aufgewandte Arbeitszeit tn die gleiche ist. Die
Mehrwertraten stimmen mit jeweils
in beiden Abteilungen
überein, und, bei der vorausgesetzten gleichen neu aufgewandten Arbeitszeit tn,
stimmen auch die Löhne pro Zeiteinheit (Stundenlöhne)
überein.
Die
Durchschnittsprofitrate beträgt im Beispiel
. Aber die Profitrate in Abteilung I ist
und in Abteilung II
, d.h. die Profitraten der Sektoren weichen unter diesen
Ausgangsbedingungen von der Durchschnittsprofitrate ab.
Wenn anschließend
die Produktionspreise nach Marxens Methode bestimmt werden, wenn also gleiche
Mehrwertraten und bei gleiche Profitraten in beiden Abteilungen vorausgesetzt
werden, und wenn die Anpassung durch Preisanpassung erfolgt, dann nimmt das
Schema folgende Form an:
I. 4000c + 1000v + 1250p =6250
II.
2000c + 1000v + 750p =3750
6000
2000 2000 10000
Also nach Ausgleich
der Profitraten weichen die ursprünglich arbeitszeitbestimmten Werte 6000 bzw.
4000 der beiden Abteilungen von den Produktionspreisen 6250 bzw. 3750 ab.
Aber Marx bewertet
die Produktionsmittelkosten c und die Lohnkosten v und damit den
Kapitalverbrauch k=c+v, den er mit der Kapitalanlage gleichsetzt, im
Produktionspreisschema nicht zu Produktionspreisen, sondern zu
arbeitszeitbestimmten Werten, was logisch nicht korrekt ist (Kostpreis-Irrtum).
Das Ergebnis der intensiven internationalen Diskussionen des Problems seit Ende
des 19.Jahrhunderts soll eindeutig sein, d.h. es soll nach Ausschaltung des
Kostpreis-Irrtums unendlich viele Lösungen für jede Produktionspreisgleichung
geben. Auch meine eigenen Analysen führten zum gleichen Resultat.
Viel diskutiert
wurde die "Lösung" des Transformationsproblems durch Ladislaus von Bortkiewicz,
die im folgenden beschrieben wird. Wie man sehen wird, handelt es sich nicht
wirklich um eine Lösung. Friedrun Quaas charakterisiert die
"Bortkiewicz-Lösung" zunächst wie folgt:
"Ausgehend von
dem Marxschen Gedanken, daß der Preis vom Wert abweichen kann, und zwar je nach
organischer Zusammensetzung in verschiedenen Industriezweigen unterschiedlich, entwarf
Bortkiewicz ein Dreisektoren-Modell, mit der Abteilungen I als Produktionsmittel produzierende Abteilung, der
Abteilung II als Abteilung, die Konsumtionsmittel für die Arbeiter produziert,
und der Abteilung III, in welcher die Konsumtionsmittel für die Kapitalistenklasse
hergestellt werden. Ferner setzt er voraus, daß die Produkte der Abteilungen I
zum Produktionspreis x und die Produkte der Abteilung II zum Produktionspreis y
verkauft werden, womit der Kapitalverbrauch c+v zu arbeitszeitbestimmten Werten
sich in den Kapitalverbrauch zu Produktionspreisen verwandelt. Für die
Durchschnittsprofitrate der Gesamtwirtschaft gilt im Modell von Bortkiewicz
damit nicht mehr die Einschränkung des Marx'schen Modells k=c+v. Aber
Bortkiewicz muß in seinem Dreisektorenmodell den Produktionspreis z der
Abteilung III (Konsumtionsmittel der Kapitalisten) mit dem z=1 oder einem
anderen Skalar, also mit einer anderen bestimmten Zahl, z.B. mit der Zahl z=1,2
oder der Zahl z=2,17 usw. gleichsetzen, damit sein Gleichungssystem lösbar wird.
[6]
Die drei
Abteilungen des Bortkiewicz-Modells sind also:
Abteilung 1: Produktion von Produktionsmitteln
Abteilung 2: Produktion von Konsumtionsmitteln für die
Arbeiter
Abteilung 3: Produktion von Konsumtionsmitteln für die
Kapitalisten (Luxusgüter)
In Abteilung 1
werden die Produktionsmittel für alle Abteilungen produziert, also im
Wertausdruck die Produktionsmittel
für Abteilung 1 und
für Abteilung 2 und
für Abteilung 3. Die Produktion
der Abteilung 1 (Produktionsmittel) hat im Wertausdruck den Betrag
. Damit gilt bei ungestörter einfacher Reproduktion:
.(1)
In Abteilung 2
werden die Konsumtionsmittel für die Arbeiter im Wert von
produziert, deren Wert
bei ungestörter einfacher Reproduktion mit den Konsumtionsmittelkäufen und dem
Konsumtionsmittelverbrauch der Arbeiter aller Abteilungen
übereinstimmt, so daß folgende
Formel gilt:
.(2)
Und in Abteilung 3
werden die Konsumtionsmittel für die Kapitalistenklasse im Wert von
produziert, die mit deren
Konsumtionsmittelverbrauch
übereinstimmen muß,
wenn ungestörte einfache Reproduktion gegeben sein soll. Damit gilt:
.(3)
Für den Kostpreis K
(Kapitalverbrauch) der Abteilungen bewertet mit den Produktionspreisen x und y gilt
damit:
![]()
.(4)
![]()
Ist die
Durchschnittsprofitrate a bekannt, dann läßt sich der Profit der Abteilungen
wie folgt berechnen:
![]()
.(5)
![]()
Für den
Produktionspreis der Abteilung 1 als Summe von Kostpreis und Profit gilt
. Nach Einsetzen von
und
erhält man:
.
Und Umformen führt
zu:
.
Berücksichtigt man
die Gleichungen (1), (2) und (3) für die drei Abteilungen, dann erhält man
folgendes Gleichungssystem:
![]()
.(6)
![]()
Dieses
Gleichungssystem hat eindeutige Lösungen für die Produktionspreise x und y und
für die Durchschnittsprofitrate a, wenn der Produktionspreis der Abteilung III
(Konsumtionsmittel der Kapitalistenklasse) als Numéraire, also als Preis eines
Gutes mit einem bestimmten bekannten Preis als Recheneinheit festgesetzt wird,
um die Preise der anderen Güter als relative Preise hierzu auszudrücken
(Standardgut bzw. Geldeinheit), z.B. z=1.
Folgendes Beispiel
soll dies illustrieren (siehe Friedrun Quaas, [7]):
|
Tabelle
1: Beispiel Wertrechnung |
|||||
|
Abteilung |
c |
v |
c/v |
m |
Wert
des Produkts |
|
I |
225 |
90 |
2,5 |
60 |
375 |
|
II |
100 |
120 |
0,833 |
80 |
300 |
|
III |
50 |
90 |
0,55 |
60 |
200 |
|
I-III |
375 |
300 |
|
200 |
875 |
Nach der Preisberechnung
nach Marxens Methode ergibt sich im Beispiel die Durchschnittsprofitrate
. Damit erhält man bei arbeitszeitbestimmten Preisen für das konstante
und variablen Kapital, die Profite der Abteilungen:
![]()
![]()
![]()
In der folgenden Tabelle
sind die Resultate insgesamt zusammengestellt:
|
Tabelle
2: Preisrechnung nach Marx |
||||
|
Abteilung |
c |
v |
p |
Preis
des Produkts |
|
I |
225 |
90 |
93,33 |
408,33 |
|
II |
100 |
120 |
65,19 |
285,19 |
|
III |
50 |
90 |
41,48 |
181,48 |
|
Gesamt |
375 |
300 |
200 |
875 |
(In diesem Modell nach
Marxens Schema sind übrigens die Bedingungen für das Gleichgewicht zwischen Produktionsmittelverbrauch 375 und Produktionsmittelproduktion 408,33, sowie zwischen
Konsumtionsmittelverbrauch 300+200=500 und Konsumtionsmittelproduktion
285,19+181,48=466,67 verletzt.)
Nach der
Bortkiewicz-Methode gilt im Beispiel das spezielle Gleichungssystem:
![]()
![]()
![]()
Nach Festlegung des
Produktionspreises der Abteilung III auf z=1 nimmt das spezielle
Gleichungssystem folgende Form an:
![]()
![]()
![]()
Die Lösungen des
speziellen Bortkiewicz-Gleichungssystems können u.a. wie folgt gefunden werden:
Man kann zunächst,
der Einfachheit halber, den Ausdruck (1+a)=b setzen, und erhält damit das
Gleichungssystem:
.(6.1) ![]()
.(6.2) ![]()
.(6.3)
Aus (6.1) folgt
![]()
Hieraus folgt
und hieraus
.(6.4) ![]()
Aus (6.3)
folgt durch Ausklammern
. Einsetzen von (6.4),
also von
ergibt
bzw.
. Division durch 50 führt zu
.(6.5) ![]()
Aus (6.2)
folgt
. Division durch 100 ergibt
und
. Einsetzen von (6.4), also von
, führt zu
. Multiplikation beider Seiten mit 90b ergibt
.
Hieraus folgt
. Division durch -180x ergibt
![]()
Die Lösungen der
letzen quadratischen Gleichung sind
und
. Die ökonomisch sinnvolle Lösung ist
. Da wir zunächst
gesetzt haben, gilt
und damit
. Die erste Lösung des speziellen
Bortkiewicz-Gleichungssystems (die Durchschnittsprofitrate) ist somit
![]()
Einsetzen von
in (6.5), also in
, ergibt
und somit
-5,625)=4 und hieraus die zweite Lösung, der Produktionspreis
der Abteilung I, zu
![]()
Aus (6.3), also aus
, folgt
. Einsetzen von x=1,28 und b=1,25 ergibt
und hieraus
und hieraus die dritte
Lösung, den Produktionspreis der Abteilung II, zu
![]()
Die Lösungen sind
also:
![]()
![]()
.
Hiermit lassen sich
die konstanten und variablen Kapitale zu Produktionspreisen
und
und damit die
Kostpreise K zu Produktionspreisen, sowie die Profite p bestimmen. Es gilt:
![]()
![]()
![]()
![]()
![]()
![]()
Die Daten des
Beispiels insgesamt zeigt Tabelle 3.
|
Tabelle
3: Preisrechnung nach Bortkiewicz |
||||
|
Abteilung |
c |
v |
p |
Preis
des Produkts |
|
I |
288 |
96 |
96 |
480 |
|
II |
128 |
128 |
64 |
320 |
|
III |
64 |
96 |
40 |
200 |
|
I-III |
480 |
320 |
200 |
1000 |
Nachdem der Produktionsmittel- und Lohnverbrauch (c und v) mit
Produktionspreisen bewertet wurde, stimmt die Durchschnittsprofitrate nicht
mehr mit der Durchschnittsprofitrate überein, die sich nach Marxens Schema
ergibt, und der Preis des Gesamtprodukts stimmt im Beispiel nicht mit seinem
Wert des Gesamtprodukts überein. Nach beiden Methoden hingegen stimmen im Beispiel
die Summe der Mehrwerte mit der Summe der Profite der Abteilungen überein.
Mit dem Ansatz von
Bortkiewicz ist wurde zwar eine "Lösung" des Transformationsproblems möglich,
aber sie gilt eben nur für einen von unendlich vielen Spezialfällen. Hierzu
Friedrun Quaas:
"Bortkiewicz
nimmt die Gleichheit von Mehrwertsumme und Profitsumme als eine Möglichkeit an,
neben der es auch eine andere geben kann (Wertsumme gleich
Produktionspreissumme). … Daß sich Bortkiewicz für diese Möglichkeit
entschieden hat, ist der Grund, warum auch bei ihm Mehrwertmasse und
Profitmasse übereinstimmen. Da nicht übersehen werden darf, daß dies in seiner
Rechnung lediglich die Konsequenz davon ist, daß er Gold zum Numéraire oder
Preisstandard erhoben hat, kann an dieser Stelle schon darauf verwiesen werden,
daß der Satz von der Identität von Mehrwert- und Profitsumme in den
verallgemeinerten Bortkiewicz-Modellen nicht notwendig richtig ist" [8]
"Das bleibende
Verdienst von Bortkiewicz ist es, eine spezielle Lösung angeboten zu haben, die
zwar nicht Anspruch auf Allgemeingültigkeit erheben kann, weil sie an
bestimmte, nicht verallgemeinerbare Bedingungen geknüpft ist, die aber
gegenüber Marx den Vorteil der Konsistenz bietet." [9]
Man kann, wie
gesagt, beliebig viele andere Preisstandards als z=1 für das Produkt der
Abteilung 3 wählen, und damit gibt es im allgemeinen beliebig viele Lösungen
für die Produktionspreise der Abteilungen.
F. Seton kam mit
einer allgemeineren mathematischen Methode zu dem unter den meisten Spezialisten
mit entsprechenden mathematischen Kenntnissen allgemein anerkannten Resultat,
daß der Produktionspreis jeder Abteilung oder jedes Zweigs auch in Modellen mit
beliebig vielen Zweigen jeden beliebige Betrag annehmen kann. Zum Beispiel ein
Ozeanreise kann nach diesem Resultat genau so gut 1 Cent oder 100 Billionen
Dollar kosten, oder z.B. eine Streichholzschachtel kann zu jeder Zeit den Preis
von 1 Milliarde Dollar oder jeden beliebigen anderen Preis annehmen. Die
Produktionspreistheorie führt also zu ökonomisch unsinnigen Resultaten.
Es gibt meines Erachtens einen Ansatz, der auch ohne
Anwendung von Methoden der höheren Mathematik erkennen läßt, daß jeder
Produktionspreis beliebig viele Beträge annehmen kann, und daß die
Produktionspreistheorie grundsätzlich logisch fehlerhaft ist. Voraussetzung für diese
Ableitung ist die Annahme, daß die Produktionsmittelverbrauchsraten
und die
Lohnverbrauchsraten
mit
auch unter der
Annahme, daß es eindeutige Produktionspreise gibt die von den
arbeitszeitbestimmten Preise abweichen, sowohl dann, wenn die verbrauchten
Mengen an Kapital zu arbeitszeitbestimmten Preisen, als auch dann, wenn sie zu Produktionspreisen
bewertet werden, die gleichen Beträge aufweisen.
Man setzt damit
also der Möglichkeit nach unterschiedliche Produktionspreise und Werte voraus,
da sich aber die Preisunterschiede im Dividenden und im Divisor der Quotienten
und
nach der Annahme prozentual
gleichermaßen auswirken, ändern sie die Produktionsmittelverbrauchsraten nicht,
bzw. nach der Prämisse nicht in relevantem Umfang.
Gleiches kann für
die Lohnverbrauchsraten vorausgesetzt werden, d.h. die Lohnverbrauchsrate zu
arbeits-zeitbestimmten Preisen
kann mit der
Lohnverbrauchsrate zu Produktionspreisen
gleichgesetzt werden.
Wir benutzen also
im folgenden zur Ableitung der Produktionspreise für jeden Zweig bzw. jeden
Sektor die nachstehenden Verbrauchsraten als Prämissen:
Produktionsmittelverbrauchsrate
Zweig i .(6.6)
Lohnverbrauchsrate
Zweig i .(6.7)
Auf Grundlage der
Prämissen (6.6) und (6.7) benötigt man zur Berechnung des Produktionspreises
kein Gleichungssystem von n Gleichungen mit n Unbekannten - es entstehen
Gleichungen mit nur einer Unbekannten, nämlich dem Produktionspreis.
Für die
Produktionspreisgleichung der Grundform gilt allgemein
. Durch Umformung der Produktionsmittelverbrauchsrate zu
Produktionspreisen
erhält man
.(6.8)
Also der
Produktionsmittelverbrauch zu Produktionspreisen
wird durch die
Produktionsmittelverbrauchsrate c' als bekannte Größe und den Produktionspreis
des Produkts
als Unbekannte
bestimmt.
Umformung der
Lohnverbrauchsrate zu Produktionspreisen
führt zu
.(6.9)
Also der
Lohnverbrauch bzw. der Konsumtionsmittelverbrauch der Arbeiter zu
Produktionspreisen
wird durch die
Lohnverbrauchsrate v' als bekannte Größe und den Produktionspreis des Produkts
als Unbekannte
bestimmt.
Durch Umformung der
Definitionsgleichung der Profitrate
erhält man die dritte
Komponente des Preises, neben
und
, also den Profit
.(6.10)
mit
als Durchschnittsprofitrate.
Einsetzen von
und
in (6.9) ergibt
bzw.
. Einsetzen von
und
und
in die
Produktionspreisgrundform
führt zu:
.(6.11)
Hieraus:
.(6.12)
Diese Gleichung
(6.12) ist nur richtig, wenn das Produkt
den Wert 1 annimmt.
Unter Beachtung dieser Bedingung gilt demnach für (6.12):
.(6.13)
Für den
Produktionspreis des Zweigs i gilt:
.(6.14)
Offensichtlich
erfüllt jeder beliebige Betrag diese Gleichung, d.h. es gibt unendlich viele
Lösungen für den Produktionspreis
jedes Zweigs i=1,2,3
... n.
Nach diesem
absurden Resultat könnte also jedes Produkt, beim gleichen Geldwert, jeden
Preis zwischen minus und plus Unendlich annehmen.
Meines Erachtens
ist die allgemeine Ursache dieses absurden Ergebnisses ein logischer Fehler,
der in einer bestimmten zusammenhängenden Betrachtung der Marxschen
Grundgleichungen
und
und
zu Tage tritt.
Folgender Zusammenhang zwischen diesen Gleichungen ist gegeben. Durch Umformung
der Definitionsgleichung der organischen Zusammensetzung
erhält man
. Einsetzen in die Profitratengleichung
ergibt
bzw.
. Aus der Definitionsgleichung der Mehrwertrate
geht
hervor. Einsetzten in
führt zu:
.(7)
Gleichung .(7)
kennzeichnet also den Zusammenhang zwischen Profitrate, Mehrwertrate und
organischer Zusammensetzung, so wie er sich logisch zwingend aus Marxens
Grundgleichungen ergibt.
Umformen von .(7)
nach der Mehrwertrate ergibt:
.(8)
In einem
Zweisektorenmodell gilt damit für den Sektor 1
![]()
und für den Sektor
2
![]()
Die Konsequenz
dieses logischen Zusammenhangs ist nun die folgende:
Stimmen die
Profitraten
und
der Sektoren überein
und unterscheiden sich die organischen Zusammensetzungen
und
, dann unterscheiden sich auch die Mehrwertraten
und
. Liegen z.B. die gleichen Profitraten
und die
unterschiedlichen organischen Zusammensetzungen
und
vor, dann
unterscheiden sich die Mehrwertraten der Sektoren, d.h. im Zweig 1 liegt dann
die Mehrwertrate
und im Zweig 2 die
Mehrwertrate
vor. Also bei gleichen
Profitraten und unterschiedlichen organischen Zusammensetzungen ergeben sich in
der logischen Konsequenz unterschiedliche Mehrwertraten.
Oder bei gleichen
Mehrwertraten m' und unterschiedlichen organischen Zusammensetzungen o'
unterscheiden sich die Profitraten p', so wie dies durch Marx richtig
festgestellt wurde.
Die Tendenz zum
Ausgleich der Profitraten ist in der realen Welt Erachtens eine unbedingt zu
erwartende Erscheinung, so daß daran nicht "gerüttelt" werden sollte.
Also müssen sich bei gleichen Profitraten und unterschiedlichen organischen
Zusammensetzungen die Mehrwertraten unterscheiden. Hat z.B. in einem Zweisektorenmodell
die uniforme Profitrate den Betrag
und die organische
Zusammensetzung des Sektors 1 den Betrag
und die des Sektors 2
den Betrag
, dann ergibt sich die Mehrwertrate des Sektors 1 zu
und die des Sektors 2
zu
. Es müssen sich, wie gesagt, bei gleichen Profitraten und
unterschiedlichen organischen Zusammensetzungen die Mehrwertraten
unterscheiden, wenn logische Widersprüche vermieden werden sollen.
Marx hat die
Möglichkeit der Mehrwertratenanpassung prinzipiell aus der theoretischen Betrachtung
ausgeschlossen. Allgemeine statistische Befunde für ein Schwanken der
Mehrwertraten um den gleichen Betrag in allen Zweigen und Sektoren lagen ihm
aber nicht vor. Marx beruft sich vielmehr auf Adam Smith:
"In diesem Kapitel [Achtes Kapitel, W.H. ] wird nun
vorausgesetzt, daß der Exploitationsgrad der Arbeit und daher die Rate des
Mehrwerts und die Länge des Arbeitstags in allen Produktionssphären, worin sich
die gesellschaftliche Arbeit in einem gegebnen Lande spaltet, von gleicher
Größe, gleich hoch ist. Von vielen Verschiedenheiten in der Exploitation der
Arbeit in verschiednen Produktionssphären hat schon A. Smith [10] ausführlich nachgewiesen,
daß sie sich durch allerlei wirkliche oder vom Vorurteil akzeptierte
Kompensationsgründe ausgleichen und daher, als nur scheinbare und
verschwindende Verschiedenheiten, für die Untersuchung der allgemeinen
Verhältnisse nicht in Rechnung kommen." [11]
Heute ist es
möglich diese Aussage von A. Smith aus dem 18. Jahrhundert empirisch zu
überprüfen. Wenn sich die Mehrwertraten der Zweige und Sektoren systematisch
bzw. im statischen Mittel nämlich unterscheiden würden und sich in der realen
Welt anpassen könnten, dann könnten im theoretischen Modell die Profitraten der
Zweige auch bei unterschiedlichen organischen Zusammensetzungen im Wertschema
übereinstimmen. Wenn in Marxens Beispiel der Wertbetrachtung
I. 4000c + 1000v + 1000m = 6000 p'=0,20
II.
2000c + 1000v + 1000m= 4000 p'=0,33
![]()
6000c
2000v 2000m 10000
![]()
der Lohn in
Abteilung I von 1000v auf 800v
sinken und der Mehrwert auf 1200m steigen würde, so daß der Neuwert
n=v+m=2000 unverändert bleiben würde, und wenn der Lohn in Abteilung II von 1000v auf 1200v steigen und der Mehrwert auf 800m
sinken und damit auch der Neuwert dieser Abteilung der gleiche bleiben würde,
dann würden sich die Profitraten beider Abteilungen an die
Durchschnittsprofitrate anpassen, und Werte und Preise würden übereinstimmen.
Es ergäbe sich dann folgendes Wert- und Preis-Schema:
I. 4000c + 800v + 1200m
=6000 p'=0,25
II.
2000c + 1200v + 800m
=4000 p'=0,25
![]()
6000c + 2000v+ 2000m =10000 ![]()
Die Kosten c+v in
Abteilung I (gleichgesetzt mit der
Kapitalanlage) sind jetzt 4000+800=4800, und der Profit ist 1200. Damit stimmt
die Profitrate der Abteilung I im Betrag von
mit dem Durchschnitt
über-ein.
Die Kosten c+v in
Abteilung II sind 2000+1200=3200, der Profit
ist 800, so daß die Profitrate in Abteilung II mit
ebenfalls mit dem
Durchschnitt übereinstimmt. Die organischen Zusammensetzungen sind mit o'=5 in
Abteilung I und mit o'=1,666 in Abteilung II weiterhin unterschiedlich. Die
Bedingen der einfachen Reproduktion sind erfüllt, d.h. es werden
Produktionsmittel im Wert von 6000, und Konsumtionsmittel im Wert von 4000
jeweils produziert und verbraucht. Und der Preis stimmt mit dem
arbeitszeitbestimmten Wert überein. Also die Arbeitszeit ist in diesem Modell
der alleinige Wertbildner und nichts sonst weiter.
Aber die
Mehrwertraten und die Löhne sind nicht mehr die gleichen in beiden Abteilungen.
Die Mehrwertrate der Abteilung I ist mit
jetzt verschieden von
der der Abteilung II mit
. Und es ergeben sich bei der gleichen Arbeitszeit von 100ZE
pro Jahresperiode mit
in Abteilung I und
in Abteilung II unterschiedliche Löhne pro Zeiteinheit
(Stundenlöhne). Die Anpassung erfolgt hier also nicht durch systematisch über
den Wert steigende oder unter ihn fallende Preise, sondern durch Mehrwertraten-
und Lohnanpassung.
Die allgemeine theoretische
Ableitung für den Ausgleich ist die folgende:
Für den Sektor I gilt
zunächst
und
. Durch Einsetzen erhält man
. Umformung nach v ergibt, bei der Durchschnittsprofitrate
, die gleichgewichtige Lohnsumme für den Sektor I:
.(9)
Und die
gleichgewichtige Lohnsumme in Sektor II ist:
.(10)
Im obigen Beispiel
berechnet sich der Lohn des allgemeinen Gleichgewichts in Abteilung I zu
![]()
Und Abteilung II zu
.
Und für den
Mehrwert der beiden Sektoren bei Ausgleich der Profitraten gelten folgende
Formeln:
![]()
Im Beispiel gilt
also im Sektor I (Branche I):
![]()
und für den Sektor
II gilt:
![]()
Die Möglichkeit des
Tauschs der Waren zum arbeitszeitbestimmten Wert in allen Fällen bei gleichen
Profitraten und unterschiedlichen organischen Zusammensetzungen hängt also
davon ab, ob die Löhne in Branchen mit hoher organischer Zusammensetzung
niedrig und in Branchen mit niedriger organische Zusammensetzung hoch sein und
sich anpassen können.
Von mir durchgeführte
Stichproben ergaben, daß die Mehrwertraten der Branchen sehr große Unterschiede
aufweisen, und zwar nicht nur in einzelnen Jahren sondern auch im langfristigen
Mittel. Zum Beispiel 1970 lag die Mehrwertrate in der Land- und
Forstwirtschaft, Fischerei der BRD um etwa das 10-fache über der der Chemischen
Industrie, und die Löhne pro Arbeitskraft und Jahr waren in der Land- und
Forstwirtschaft um etwa das 13-fache kleiner als in der Chemischen Industrie. Oder
zum Beispiel im Handel lag die Mehrwertrate 1970 um etwa das 10-fache über der
der Eisenschaffenden Industrie, und der Lohn pro Arbeitskraft und Jahr im
Handel lag um mehr als das 2-fache unter dem der Eisenschaffenden Industrie.
|
Mehrwertraten
und Löhne pro Arbeitskraft im Jahr 1970, BRD (Auszug
aus einer umfangreichen Analyse in 40 Branchen von 1970 bis 1990) |
|||||||
|
|
|
Einkommen
aus |
Gewinn |
Erwerbstätige |
Mehrwertrate |
Lohn
pro AK |
|
|
|
|
unselbst.
Arbeit |
(Arbeitskräfte) |
Gewinn/Lohn |
|
||
|
Jahr
1970, Auswahl aus den Branchen 1 bis 40 |
Cv |
M |
AK |
m' |
Cv/AK |
||
|
Mill.DM |
Mill.DM |
1000
AK |
|
DM/AK,Jahr |
|||
|
1970-1 |
Land-und Forstwirt. |
3530 |
15710 |
2262 |
4,45042493 |
1560,6 |
|
|
1970-33 |
Bekleidungsgewerbe |
4430 |
1920 |
493 |
0,43340858 |
8985,8 |
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1970-38 |
Handel |
33010 |
26530 |
3348 |
0,80369585 |
9859,6 |
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1970-22 |
Elektrotechnik |
18970 |
5710 |
1204 |
0,30100158 |
15755,8 |
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1970-19 |
Straßenfahrzeugbau |
14930 |
5270 |
880 |
0,35298058 |
16965,9 |
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1970-28 |
Papiererzeug. u.a. |
1440 |
40 |
79 |
0,02777778 |
18227,8 |
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1970-12 |
Eisenschaffende Ind. |
7640 |
590 |
376 |
0,07722513 |
20319,1 |
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1970-5 |
Chemische Ind. |
13530 |
6030 |
657 |
0,44567627 |
20593,6 |
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Quelle: Fachserie 18, Reihe S.18, 1960 bis 1991, |
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Seiten 20/80/140/182/200/236/266/314 |
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Statistisches Bundesamt |
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Auch in den
20-jährigen Durchschnittswerten der Mehrwertraten und der Löhne pro
Arbeitskraft zwischen 1970 und 1990 lagen permanente, sehr große Unterschiede
in den 40 Branchen vor. Meines Erachtens bestätigen die empirischen Befunde die
These gleicher Mehrwertraten und Stundenlöhne in den einzelnen Branchen im
langfristigen Durchschnitt in keiner Weise.
Offenbar sind
dauerhafte und im langzeitigen Durchschnitt unterschiedliche Stundenlöhne der
Branchen in der realen Welt nichts Ungewöhnliches. Gleiche Stundenlöhne und
gleiche Mehrwertraten in allen Branchen im theoretischen Modell stellen also
keine absolut erhabene, für immer gesicherte und daher nicht diskutierbare
Tatsache dar. Anpassungsfähige Mehrwertraten und Stundenlöhne in den verschiedenen
Branchen sollten jedenfalls nicht von vornherein und endgültig aus allen
theoretischen Modellen verbannt werden.
Setzt man aber im
theoretischen Modell unterschiedliche und anpassungsfähige Mehrwertraten und
Stundenlöhne voraus, dann kann der Warenwert offenbar, auch nach allgemeinem
Ausgleich der Profitraten und unterschiedlicher organischer Zusammensetzung, in
allen Branchen einfach durch die gesellschaftlich durchschnittlich nötige
Arbeitszeit bestimmt werden. Alle Widersprüche im ersten Grundsatz der
marxistischen Werttheorie wären damit beseitigt.
Marx hat zur
Ableitung der Produktionspreise unter anderem ein Modell mit fünf Sektoren
benutzt. Im Ausgangszustand (Wertschema) liegen in seinem Beispiel folgende
Zahlen vor:
w p' m' o'
II. 70c +30v +30m = 120
30% 100% 2,333
III. 60c +40v +40m = 140
40% 100% 1,5
IV. 85c +15v +15m = 115
15% 100% 5,666
V. 95c + 5v + 5m = 105
5% 100% 19
Die Mehrwertraten
m' sind in Marxens Ausgangsschema mit jeweils 100% in allen Sektoren gleich
groß, aber die Profitraten p' haben zunächst sehr verschieden große Beträge.
Die größte organische Zusammensetzung beträgt in den Beispielen
und die kleinste
organische Zusammensetzung ist
.
Nimmt man an, daß
sich im Zuge des Ausgleichs der Profitraten nicht die Preise, sondern die
Mehrwertraten und Löhne anpassen, dann ergeben sich, berechnet mit unseren
Formeln
und
, folgende Zahlen:
c
v m w p' m'
II. 70 +36,5574
+23,4426 = 130
22% 64,1%
III. 60
+54,7541 +25,2459 =
140 22% 46,1%
IV. 85
+ 9,2623 +20,7377
= 115 22%
223,9%
V. 95
- 8,9344 +18,9344
= 105 22%
-211,9%
Im Zuge der
Anpassung der Mehrwertraten und der Löhne hat sich der Preis der Produkte auch
in diesen Beispielen, trotz allgemeinem Ausgleich der Profitraten (22%),
nicht geändert. Werte und
Durchschnittspreise stimmen auch in diesen Beispielen überein.
Aber im Sektor V.
mit der sehr hohen organischen Zusammensetzung muß zum Ausgleich der
Profitraten der Lohn negativ werden, was ökonomisch kein sinnvoller Vorgang
ist. Sinnvolle Beträge im Modell hängen von der Höhe der organischen
Zusammensetzung, vom realisierten Neuwert und der Durchschnittsprofitrate ab.
Es ist durchaus denkbar, daß die Zahlen der realen Welt in Bereichen liegen,
die in jedem Fall auch im Modell zu sinnvollen Löhnen führen. Eine empirische
Überprüfung könnte es eventuell klären.
Betrachten wir noch
kurz ein drittes von Marx benutztes Beispiel, und zwar folgendes Wertschema bei
gleichen Mehrwertraten:
w p'
m'
II. 90c +10v +
10m = 110 0,1 1
III. 70c
+ 30v + 30m = 130
0,3 1
Die
Durchschnittsprofitrate beträgt damit
.
Das
Produktionspreisschema nach Marx erhält damit die Form:
wp
p'=p/k m'=m/v
II. 90c
+10v + 20p
=120 0,2 1
III. 70c + 30v +
20p =120 0,2 1
Werte w und
Produktspreise wp weichen also nach
Marxens Berechnungsmethode voneinander ab.
Nach unserer
Berechnungsmethode
und
hingegen ergibt sich
folgendes Schema:
w p' m'=m/v
II. 90c +1,6666v + 18,333m =110
0,2 11
III. 70c + 38,333v + 21,666m =130
0,2 0,5652
Werte und Preise
stimmen hier überein.
[1] Michael
Heinrich: Die Wissenschaft vom Wert, Münster 1999, und die daran bis heute
anschließenden Diskussionen. Ferner Dieter Wolf und Heinz Paragenings: Zur
Konfusion des Wertbegriffs. Heft 3 der Wissenschaftlichen Mitteilungen des
Berliner Vereins zur Förderung der MEGA-Edition e.V., Berlin 2004. Ferner Kai
Eicker-Wolf u.a. (Hrsg.): Nach der Wertdiskussion? Schriftenreihe der
Forschungsgruppe Politische Ökonomie, Marburg 1999. Artikelzusammenfassungen
und Rezensionen hierzu findet man auch im Internet unter:
www.staff.uni-marburg.de/~fgpoloek/publikationen/einzelbeschreibungen/s1.html
[2] Quaas,
Friedrun, Das Transformationsproblem, S. 94 und S. 139 ff
[3] Seton, Francis: The Tranformation Problem, in: Review of Economic
Studies, Bd. 24 (1956), S. 149-160
[4] Marx, Karl: Das
Kapital, Dritter Band. MEW Bd. 25, S. 164
[5] siehe Quaas,
Friedrun, Das Transformationsproblem, S. 46, Marburg 1992
[6] Quaas,
Friedrun, Das Transformationsproblem, S.48
[7] Quaas,
Friedrun, Das Transformationsproblem, S. 51/52, Marburg 1992
[8] Quaas,
Friedrun, Das Transformationsproblem, S.53, Marburg 1992
[9] Quaas,
Friedrun, Das Transformationsproblem, S.65, Marburg 1992
[10] Smith, "An inquiry into the nature and causes of the wealth of
nations", Buch 1, Kap. 10:
"Of
wages and profit in the different employments of labour and stock." 151
[11] Marx, Karl, Das
Kapital, Dritter Band, S.151