Fr 30.05.2008 19:08

Alexander B. Voegele an Wolfgang Hoss

 

 

 

medias in res: Die akademisch dominante Allgemeine Gleichgewichtstheorie (Neoklassische Mikroökonomie) ist reine Mathematik, die ökonomisch interpretiert wird. Das notiert Gérard Debreu, einer der Hohepriester dieser Theorie, in seinem Werk "Theory of Value" (1959). Die derzeit dominierenden Adepten dieser Theorierichtung  wischen gerne unter den Teppich, dass uns seit Leon Walras (1870er Jahre) eine Hilfswissenschaft  als schlechte Ökonomie terrorisiert.

 

Dieser Hinweis beleuchtet die (wissenschafts)politische Vermutung, Marx sei an seiner schlechten Mathematik gescheitert. Umgekehrt: Jede ökonomische Problemstellung ist auch ohne Mathematik verständlich formulierbar.

 

Das "Transformationsproblem" (das wahrlich keines ist !), also die "Veränderung der Warenwerte in Produktionspreise, weist auf die profitgesteuerte Verteilung der gesellschaftlichen Arbeit auf die verschiedenen produzierenden und Dienstleistungsbereiche einer Volkswirtschaft unter kapitalistischen Bedingungen hin."  So habe ich das geschrieben und  das  ist der ökonomische Gehalt der Marxschen Werttheorie.

 

Was sagt sie über die Wandlung von Warenwerten und Produktionspreisen (zur Erinnerung: der Produktionspreis ist der Geldausdruck des Warenwertes!)? Der gesamte (gesamtwirtschaftliche) Mehrwert wird auf das gesamte (gesamtwirtschaftliche) vorgeschossene Kapital bezogen. Das einzelne Unternehmen (das Einzelkapital) realisiert also nicht den eigenen erzeugten Mehrwert, sondern erhält seinen entsprechenden Anteil.

Im Ergebnis also Kostpreis plus den auf das Unternehmen (das

Einzelkapital) entfallende Durchschnittsprofit.

 

Nun kommt der Einwand, dass bei c+v+p' zunächst ja auch c (das konstante

Kapital) zu Produktionspreisen eingekauft worden ist. Richtig! Dann haben wir eben das konstante Kapital zu Produktionspreisen im Warenwert.

Das besagt doch nur, dass das Unternehmen, welches das c (konstante

Kapital) verkauft, den Durchschnittsprofit realisiert. Damit ändert sich nichts an der Feststellung, dass die Summe der Produktionspreise der produzierten Waren der Summe ihrer Werte ist. Für Marx ist das kein Problem der Mathematik (wo schreibt eigentlich Marx, dass er sich da vertan habe!!!???), sondern eine klare ökonomische Fragstellung:

"hiernach der Produktionspreis eines Industriezweigs samt dem in ihm enthaltnen Profit, dass also der Profit des einen Industriezweigs in den Kostpreis des andern eingeht" (Marx Engels Werke (MEW) Band 25, Seite

169 = 25169). Wo ist also das Problem? Wir haben einen Kostpreis

(nochmals: Preis hier verstanden als Geldausdruck des Warenwertes) c+v, in dem bereits der Durchschnittsprofit anderer Industriezweige enthalten ist. Mit dem v (variablen Kapital) wird ein den Umständen des jeweiligen Unternehmens entsprechender individueller Mehrwert geschaffen. Nur der wird nicht so angeeignet, sondern als Durchschnittsprofit kann er geringer, gleich oder grösser sein.

 

Weiter: Die unterschiedliche organische Zusammensetzung des Kapitals

(OZK) zeigt dann die kapitalistische Logik, dass beispielsweise ein Unternehmen mit höherer OZK, also mit weniger v dem betreffenden Unternehmen zwar weniger Mehrwert beschert, als einem Unternehmen mit geringerer OZK, also mit höherem v. Dennoch kann sich das Unternehmen, das Einzelkapital mit der höheren OZK mehr Profit (Mehrwert!) aneignen, als es selbst herzustellen vermag.

 

Und: ein gravierendes Missverständnis ist die strikte Trennung von Warenwerten und Produktionpreisen, als ob das lediglich Zahlen sind, mit denen ein lineares Gleichungssystem zu lösen sei. Nochmals. Der Preis ist der Geldausdruck des Wertes, der Produktionspreis also nichts anderes als der der Kapitalwanderung adäquate Geldausdruck des Warenwerts, um den dann entsprechend von Angebot und Nachfrage der Marktpreis schwankt. Und da sehe ich keinen "bürgerlichen" Ökonomen, der das solide zur Kenntnis genommen hat. Dort wird das Geld ausschliesslich als nützliches Ding der Zirkulation verstanden, als Geldzeichen. Mit Werten haben die nichts am Hut. Das ist übrigens auch das wissenschaftliche Drama, wenn der "Kasinokapitalismus)" (J.M. Keynes - K. Marx) als böse Tat von Heuschrecken interpretiert wird und alle sich nach der "Realwirtschaft" sehen.

 

Sehr geehrter Herr Hoss, bitte sehen Sie mir das geringe Eingehen auf Ihre mathematische Lösung nach. Mir ist der ökonomische Inhalt wichtig.

Somit ist hier  eigentlich nichts weiter aufregendes niedergeschrieben.

Zu meinem Verständnis haben die Seiten 25168-25171 nicht unwesentlich beigetragen.