Fr 30.05.2008
19:08
Alexander B.
Voegele an Wolfgang Hoss
medias in res:
Die akademisch dominante Al
Dieser Hinweis
beleuchtet die (wissenschafts)politische Vermutung,
Marx sei an seiner schlechten Mathematik gescheitert. Umgekehrt: Jede
ökonomische Problemstellung ist auch ohne Mathematik verständlich formulierbar.
Das
"Transformationsproblem" (das wahrlich keines ist !), also die
"Veränderung der Warenwerte in Produktionspreise, weist auf die
profitgesteuerte Verteilung der gesellschaftlichen Arbeit auf die verschiedenen
produzierenden und Dienstleistungsbereiche einer Volkswirtschaft unter kapitalistischen
Bedingungen hin." So habe ich das
geschrieben und das ist der ökonomische Gehalt der Marxschen
Werttheorie.
Was sagt sie
über die Wandlung von Warenwerten und Produktionspreisen (zur Erinnerung: der
Produktionspreis ist der Geldausdruck des Warenwertes!)? Der gesamte
(gesamtwirtschaftliche) Mehrwert wird auf das gesamte (gesamtwirtschaftliche)
vorgeschossene Kapital bezogen. Das einzelne Unternehmen (das Einzelkapital)
realisiert also nicht den eigenen erzeugten Mehrwert, sondern erhält seinen
entsprechenden Anteil.
Im Ergebnis
also Kostpreis plus den auf das Unternehmen (das
Einzelkapital)
entfallende Durchschnittsprofit.
Nun kommt der
Einwand, dass bei c+v+p' zunächst ja auch c (das
konstante
Kapital) zu
Produktionspreisen eingekauft worden ist. Richtig! Dann haben wir eben das
konstante Kapital zu Produktionspreisen im Warenwert.
Das besagt doch
nur, dass das Unternehmen, welches das c (konstante
Kapital)
verkauft, den Durchschnittsprofit realisiert. Damit ändert sich nichts an der Feststellung,
dass die Summe der Produktionspreise der produzierten Waren der Summe ihrer
Werte ist. Für Marx ist das kein Problem der Mathematik (wo schreibt eigentlich
Marx, dass er sich da vertan habe!!!???), sondern eine klare ökonomische
Fragstellung:
"hiernach
der Produktionspreis eines Industriezweigs samt dem in ihm enthaltnen Profit,
dass also der Profit des einen Industriezweigs in den Kostpreis des andern
eingeht" (Marx Engels Werke (MEW) Band 25, Seite
169 = 25169).
Wo ist also das Problem? Wir haben einen Kostpreis
(nochmals:
Preis hier verstanden als Geldausdruck des Warenwertes) c+v,
in dem bereits der Durchschnittsprofit anderer Industriezweige enthalten ist.
Mit dem v (variablen Kapital) wird ein den Umständen des jeweiligen
Unternehmens entsprechender individueller Mehrwert geschaffen. Nur der wird
nicht so angeeignet, sondern als Durchschnittsprofit kann er geringer, gleich
oder grösser sein.
Weiter: Die
unterschiedliche organische Zusammensetzung des Kapitals
(OZK) zeigt
dann die kapitalistische Logik, dass beispielsweise ein Unternehmen mit höherer
OZK, also mit weniger v dem betreffenden Unternehmen zwar weniger Mehrwert
beschert, als einem Unternehmen mit geringerer OZK, also mit höherem v. Dennoch
kann sich das Unternehmen, das Einzelkapital mit der höheren OZK mehr Profit
(Mehrwert!) aneignen, als es selbst herzustellen vermag.
Und: ein
gravierendes Missverständnis ist die strikte Trennung von Warenwerten und Produktionpreisen, als ob das lediglich Zahlen sind, mit
denen ein lineares Gleichungssystem zu lösen sei. Nochmals. Der Preis ist der
Geldausdruck des Wertes, der Produktionspreis also nichts anderes als der der
Kapitalwanderung adäquate Geldausdruck des Warenwerts, um den dann entsprechend
von Angebot und Nachfrage der Marktpreis schwankt. Und da sehe ich keinen
"bürgerlichen" Ökonomen, der das solide zur Kenntnis genommen hat.
Dort wird das Geld ausschliesslich als nützliches
Ding der Zirkulation verstanden, als Geldzeichen. Mit Werten haben die nichts
am Hut. Das ist übrigens auch das wissenschaftliche Drama, wenn der
"Kasinokapitalismus)" (J.M. Keynes - K. Marx) als böse Tat von
Heuschrecken interpretiert wird und alle sich nach der
"Realwirtschaft" sehen.
Sehr geehrter
Herr Hoss, bitte sehen Sie mir das geringe Eingehen
auf Ihre mathematische Lösung nach. Mir ist der ökonomische Inhalt wichtig.
Somit ist
hier eigentlich nichts weiter aufregendes niedergeschrieben.
Zu meinem
Verständnis haben die Seiten 25168-25171 nicht unwesentlich beigetragen.