Von: Alexander B.
Voegele [alexander.b.voegele@voegele-kunst.de]
Gesendet: Montag, 2.
Juni 2008 19:47
An:
fleissner@transform.or.at
Cc:
wolfgang_hoss@web.de
Betreff: Antwort auf
"Antworten auf Ihre Beiträge"
Sehr geehrter Herr
Fleissner,
Was ist eigentlich so
irritierend an dieser Aussage: "Jede ökonomische Problemstellung ist auch
ohne Mathematik verständlich formulierbar" ?
Damit wird nicht die
Nützlichkeit der Mathematik für ökonomische Fragestellungen negiert. Dafür ist
jedoch Sicherheit in der Erkenntnis, in der Wahrnehmung ökonomischer Vorgänge
erforderlich. Die Mathematik als eine "spezielle Form der gedanklichen
Widerspiegelung der Welt"
(übrigens exakt die
Herangehensweise von Gérard Debreu in seinem Buch "Theory of Value",
1959) wird eben sofort heimtückisch, wenn es um die
Waren- und Wertanalyse
im Kapitalismus geht: "Eine Ware scheint auf den ersten Blick ein
selbstverständliches, triviales Ding. Ihre Analyse ergibt, daß sie ein sehr
vertracktes Ding ist, voll metaphysischer Spitzfindigkeit und theologischer
Mucken. Soweit sie Gebrauchswert, ist nichts Mysteriöses an ihr, ob ich sie nun
unter dem Gesichtspunkt betrachte, daß sie durch ihre Eigenschaften menschliche
Bedürfnisse befriedigt oder diese Eigenschaften erst als Produkt menschlicher Arbeit
erhält. Es ist sinnenklar, daß der Mensch durch seine Tätigkeit die Formen der
Naturstoffe in einer ihm nützliche Weise verändert. Die Form des Holzes z.B.
wird verändert, wenn man aus ihm einen Tisch macht.
Nichtsdestoweniger
bleibt der Tisch Holz, ein ordinäres sinnliches Ding.
Aber sobald er als
Ware auftritt, verwandelt er sich in ein sinnlich übersinnliches Ding. Er steht
nicht nur mit seinen Füßen auf dem Boden, sondern er stellt sich allen andren
Waren gegenüber auf den Kopf und entwickelt aus seinem Holzkopf Grillen, viel
wunderlicher, als wenn er aus freien Stücken zu tanzen begänne." (Karl
Marx). Andersherum, der Wert ist nicht sicht- und greifbar, wie ein Atom, aber
existent.
Die Mathematik muss
also recht auf der Hut sein, um die Welt der Grillen widerzuspiegeln zu können.
Das führt zu einigen
von Ihnen genutzten Begriffen wie:
"Arbeitswertpreise",
"... dass die Inputpreise Arbeitswerten und die Outputpreise
Produktionspreise entsprechen", "relative Preise", "andere
mögliche Preissysteme".
Der Einwand von
Bortkiewicz "... *dass die Inputpreise Arbeitswerten und die Outputpreise
Produktionspreise entsprechen*" ist so sowohl falsch formuliert als auch
nicht haltbar. Preise sind der Geldausdruck des (Waren)Wertes. Preise zur
Bewertung heranzuziehen, das hat nichts mit dem sogenannten
Transformationsproblem zu tun. (Markt-, Produktions-)Preise müssen den
Warenwert ausdrücken. Preise zur Bewertung heranzuziehen, das ist die numéraire
Methode von Leon Walras, mit ein Geld-Gut in die Zirkulation eingeführt wird.
Mit Werten und Preisen (auch wie "im richtigen Leben") hat das nichts
zu tun.
Die "*relativen
Preise*" sind physische Austauschverhältnisse, sie sind Gegenstand der
Walrasianischen Gleichgewichtstheorie (witzigerweise ist der Begriff kaum in
einem der gängigen Lehrbücher zu finden) und sind keine Preise im Sinne der
Werttheorie, sondern es sind ganz ordinäre Mengenverhältnisse von Gütern
untereinander. Es ist das physische Verhältnis von zwei Gebrauchswerten wie
"fünf Polster sind ein Haus"
(Aristoteles).
Was sind
"*Arbeitswertpreise*" ? Preise sind der Geldausdruck des
(Waren)Wertes. Arbeitswertpreise sind eine Tautologie.
Was sind "*andere
mögliche Preissysteme*"? Hier gibt es die Gelegenheit, mich nochmals zu
bemühen: Die "Veränderung der Warenwerte in Produktionspreise, weist auf
die profitgesteuerte Verteilung der gesellschaftlichen Arbeit auf die
verschiedenen produzierenden und Dienstleistungsbereiche einer Volkswirtschaft
unter kapitalistischen Bedingungen hin."
Das ist situativ bedingt, also eine bestimmte Mehrwertproduktion bezogen
auf das eingesetzte konstante und variable Kapital bedeutet für eine bestimmte
Zeit bestimmte Produktionspreise.
Welche andere
Preissysteme soll es denn dann noch geben, wenn der ökonomische Inhalt der
beschriebene ist?
Nun hoffe ich auf
Verständlchkeit - auch ohne Mathematik ;-)
Aber: der Kern des
Durcheinanders um das sogenannte Transformationsproblem ist in dem unsichtbar
wirkenden Kräftedreieck von Ricardo, Marx und Walras (Debreu) zu finden. Das
wäre ein schmackhaftes Projekt. Doch dafür gibts halt nix.
Mit bestem Grusse an
uns.
Alexander B. Voegele
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